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Ein Literaturmensch versprach uns eine besondere Geschichte: Vom nachhaltigen Tannenbaum in der Weihnachtszeit und dem Parkplatz vor dem Geschäft in dem man nichts kaufen konnte

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Liebe Steilshooperinnen und Steilshooper,

die frühen irischen Mönche scheinen einen besonderen Sport bevorzugt haben: Bäume fällen – und das mit Vorliebe auf dem Kontinent.
Natürlich nicht irgendwelche Bäume, sondern den germanischen Stämmen heilige. Die etwas klügeren geistlichen Herren machten das meistens mit einer Schar fränkischer Panzerreiter, während die Heißsporne alleine nur mit ihrer Axt in die Wälder gingen. Das überlebten sie zwar nicht, aber dafür erhielten sie die Palme des Martyriums. Im Rahmen des Salons de Steils würde ich gerne über die eigenartige Weise der Zivilisierung unserer Vorfahren mittels der Holzfälleraxt sprechen. Warum mir dieses Thema gerade untergekommen ist, weiß ich auch nicht so genau.

Grüße Martin

 

Feigenbaum, Bananenbaum, Pflaumenbaum
und kein Straßenbegleitgrün

Ohne Natur keine Kultur. Ohne Bäume keine Atemluft. Keine Blätter, keinen Herbst. Malt Bäume, wo ihr geht und steht. Und laßt nicht zu, daß sie Bäume in „Straßenbegleitgrün“ verkehren.

Überall auf der Welt versteht man heute mehr denn je wie wichtig Bäume sind. Das Bewußtsein, daß wir die Luft zum Atmen, Früchte und Holz von den Bäumen erhalten, ist aber noch nicht überall verstanden worden. Ohne Not sollen in Steilshoop 117 Bäume gefällt werden, nur weil ein kleiner geheimer Zirkel es so beschlossen hat. Und weil es offensichtlich der kleinste gemeinsame Nenner war, auf den sich die Giganten der Wohnungsindustrie verständigen konnten. Es heißt, daß es daran nun nichts mehr zu rütteln geben dürfe. Das sei schon der Kompromiß gewesen, wurde uns gesagt.  Liebe Betonisierte, freut Euch an den Bäumen und laßt sie stehen und für uns alle wachsen!

In der Schweiz gibt es eine aktuelle Ausstellung im Paul Klee Zentrum noch bis 24. Januar. Kulturzeit berichtete gestern darüber. Hier der Link: About Trees

Sollten wir nicht gemeinsam dahin  fahren und der Verfügungsfond bezahlt mal eine Kulturreise? Oder tun wir uns mit den anderen Baumerhaltungsaktivisten in Rübenkamp und Busbahnhof, den Bienenzüchtern und den Umweltgruppen zusammen und holen die Ausstellung zu uns nach Hamburg?

Apelbaum, Birnenbaum, Quittenbaum, Walnußbaum, Eibe, Eiche  

Liebe Steilshooperinnen und Steilshooper, liebe Freundinnen und Freunde des Stadtteils,

die Initiative „Kahlschlag stoppen“ muss sich und Euch eingestehen, dass sie etwas zu früh Optimismus verbreitet hat. Eigentlich hatten die Vertrauensleute (Klaus Wachs, Dominik Höchstätter und ich) nach dem ersten Gespräch mit den Spitzen der Fraktionen der SPD und der Grünen in der Bezirksversammlung den Eindruck, dass es durchaus schnell zu einer Einigung kommen könnte, bei der zwar alle Federn (Blätter) lassen müssen, die aber die Mehrheit der betroffenen Bäume retten würde. Die Verhandlungen haben sich aber in den letzten Wochen insofern verkompliziert, als dass die Politik sich selbst an den Rand begeben hat. Seitens der Vertreter der Fraktionen wird immer wieder betont, dass unser eigentlicher Verhandlungspartner der Lenkungsausschuss des HIDs sei und dass den gewählten Volksvertretern nur eine vermittelnde und moderierende Rolle zukäme. Natürlich haben solche Aussagen bei uns Unverständnis und Empörung ausgelöst. Wir halten es für unerträglich, dass ein Gremium privatwirtschaftlicher Unternehmungen das letzte Wort über den Einsatz von öffentlichen Mitteln, von Steuergeldern hat. Da es uns um den Erhalt der Bäume geht, werden wir natürlich – ganz schweren Herzens – mit den Vertretern des Lenkungsausschusses sprechen; allerdings sind die (inoffiziellen) Botschaften aus diesem Gremium so uneinheitlich, dass wir nicht davon ausgehen können, sehr schnell zu einer Einigung zu kommen. Außerdem ist der Verdacht nicht ganz von der Hand zu weisen, dass von der Gegenseite etwas mit dem Faktor Zeit gespielt wird. Wenn es uns nicht gelingt, bis zum 17. Februar weitere gut 4.000 gültige Unterschriften zusammen zu bekommen, könnten am 18. Februar die Holzfällerkolonnen anrücken – und alles wäre für die Katz gewesen. Deshalb kann es für uns nur eine mögliche Konsequenz geben. Wir müssen unbedingt weiter Unterschriften sammeln, um für den Fall der Fälle – die Nichteinigung – die Maßnahme definitiv stoppen zu können. Ich habe bei unserer Auftaktveranstaltung, als wir noch auf das Etappenziel Drittelquorum los marschiert sind, gesagt, dass wir die dafür benötigten 2.200 Unterschriften nicht mühelos, aber problemlos schaffen können. Diese Aussage gilt auch weiterhin. Wir haben beim Sammeln auch außerhalb von Steilshoop merken können, wie viel Zuspruch unser Ziel findet. Viele Menschen aus dem Bezirk Wandsbek sehen in uns auch Vorkämpfer gegen den allgemeinen Kahlschlag in Hamburg, dem Jahr für Jahr über 6.000 Bäume netto zum Opfer fallen. Ermutigung bekommen wir aber auch zunehmend von Bürgerinnen und Bürgern, welche sich Sorgen um den Verfall der Demokratie machen, die sehen, wie immer mehr origine Aufgaben des Staates in die Hände privater Unternehmen gegeben werden, wie damit auch jegliche Einflussmaßnahme der Bürgerinnen und Bürger einschließlich seiner gewählten Repräsentanten verloren geht. Hier könnte es uns mit dem Bürgerbegehren gelingen, eine Grenzlinie zu ziehen. Wir, die Initiative sind bereit dazu. Ab heute werden wir wieder im großen Stil Unterschriften sammeln. Da allerdings die meisten von uns auch noch anderweitig eingespannt sind, brauchen wir ganz viel Unterstützung. *Bitte helft uns Unterschriften sammeln, macht Werbung bei Euren Nachbarn für unsere Initiative, empfehlt unsere Seite www.kahlschlagstoppen.de <http://www.kahlschlagstoppen.de/> .* Unterschriftenlisten gibt es ab sofort wieder im JETZT (Montag bis Freitag 8:00 bis 18:00). Dort können auch die Listen wieder abgegeben werden. Gerne stehe ich auch für Auskünfte zur Verfügung: 0157 339 769 37. Grüße, Martin Kersting

 

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Das Betongespenst schwärmt: Mensch, das waren noch Zeiten, als man nichts außer Beton sehen konnte. Unverstellt, pur, ordentlich und adrett, sauber und aufgeräumt, sichtachsenorientiert und kriminalpräventiv. Steilshoop hat die historische Möglichkeit den gleichen Fehler noch ein zweites Mal zu machen: Keine Bäume, keine Blumen, keine Sträucher, keine U-Bahn, keine Einkaufsmöglichkeiten, keine Kneipe, keinen geselligen verkehrsberuhigten Platz, keine Bildungsmöglichkeiten, keinen Theatersaal, keine Brücke, keine Alternativen. Und alternativlos – das würde manchen wohl gefallen…

Unverdrossen heiter
sammeln wir jetzt weiter
Stimmen für die Bäume

statt Betonalpträume

Ein guter Grund, warum die 117 Bäume in Steilshoop stehen bleiben sollten, liegt darin begründet, daß für viele Wohnungsbauprojekte, Bäume gefällt werden müssen. Mehr als 6000 Bäume verliert Hamburg jedes Jahr, Tendenz steigend. Doch in Steilshoop soll nicht gefällt werden, um zu bauen. In Steilshoop soll das erste HID (Housing Improvement District) entstehen. Das möchte man gerne europaweit als Jubelmeldung verkaufen. Der Ausverkauf öffentlichen Raumes an Private soll als etwas Innovatives, Attraktives und Wünschenswertes durchgesetzt werden. Die mittlerweile schon vollkommen demoralisierte Bevölkerung, die seit Jahrzehnten Pflegemaßnahmen für Straßen, Rad-und Fußwege, Bäume und Grünflächen anmahnt, soll in eine Situation getrieben werden, inden sie „Ja und Amen“ zu allem sagen soll. Tenor der Bevölkerung soll sein: „Egal was sie machen, Hauptsache sie machen endlich überhaupt irgendetwas.“ Mit Hilfe eines ominösen sogenannten „Lenkungsausschusses“ werden hier Strippen gezogen, ohne die 16.000 köpfige Mieter-Bevölkerung mitentscheiden zu lassen. Ein zur Verschwiegenheit verpflichteter älterer Mitbürger wurde von den Stadtteilmoderatoren als sogenannter Delegierter in den ominösen Zirkel geschickt. Großes Pflichtgefühl und Stolz ob seines hohen Amtes erfüllten ihn. Daraufhin mußte man überall lesen, wie unwahrscheinlich „demokratisch“ und mit wieviel „Bürgermitbestimmung“ alles Geheime in Steilshoop abläuft. Der alte Herr hat als oberster Geheimnisträger der wirklichen Mitbestimmung einen schlechten Dienst erwiesen. Als er aus dem Amt schied, haben Bürger sich  zur Wehr gesetzt, als für die Stadtteilmoderatoren und den „Lenkungsausschuß wieder einen neuer „oberster Geheimnisträger“ gewählt werden sollte. „Wozu?“ fragten sie das erste Mal, „wenn der uns dann wieder nichts mitteilen darf?“ Die Vorteil eines HID ist, daß kommunale Planung und Bürgerwünsche nicht mehr Berücksichtigung finden müssen.  Der Sinn besteht darin, daß eine gemeinsam verabredete Mietsteigerung in großem Stil durchgeführt werden kann. Begründet wird diese durch „Aufwertung“. Durchgedrückt werden diese stillen Privatisierungen, so scheint es zumindest. indem Quartiere systematisch eine schlechte Presse bekommen. Das meint, daß man keine gute, normale Nachricht mehr in die Zeitung bringt. Es werden nur noch justiziable Taten erwähnt. Alltag findet öffentlich nicht mehr statt. Aufmerksamkeit entsteht, indem man alles nur denkbar Verwerfliche mit dem Stadtteilnamen in Verbindung bringt. Das erklärt z.B. daß Autoraser mit dem Stadtteil in dem sie rasen (SteilshooperStraße), nicht aber mit der Autotypenbezeichnung, ihrem Beruf, ihrem Alter, ihrem Geschlecht, ihrer Herkunft in Zusammenhang gebracht werden. Das Stadtviertel Steilshoop erlebt zum wiederholten Male eine seltsam peinliche Pressekampagne. Wird hier der „Aufwertung durch Abwertung“ Vorschub geleistet?  Soll das HID im  „problematischen Viertel“ Verbindlichkeit, Verläßlichkeit und Planungssicherheit schaffen? Die einzigen normalen Nachrichten, die noch Erwähnung finden, werden häufig mit Nachrichten um, vom und um herum des HID garniert. Und um das Nachrichtenmonopol komplett zu machen, flattern Lobbyistenstadtteilzeitungen in Hochglanzoptik und unfreiwilliger (?) Realsatire in die Briefkästen. So haben die Kommunalen die Bevölkerungsinteressen an Firmen und Konzerne verkauft. Sie werden jetzt stets „die Privaten“ genannt. Die engagierten Bürger hat man in erste „Mitmachfallen“ getrieben, mit Gremien und Untergremien beschäftigt. Nie in Erscheinung tretende schwer zu motivierene Bevölkerungsteile werden in Jubelveranstaltungen zu „Bevölkerungssprechern“ erhoben. Sie äußern allenfalls Partikularinteressen, sind bei komplizierten Mitentscheidungsfragen und Vertragswerken auf deutsch bzw. juristisch-deutsch schnell überfordert. Sie sagen zu allem „ja“ um nur die Person glücklich zu machen, die ihnen die ehrenvolle „Ehren-Amt“ beschert hat, welches sie mit Stolz erfüllt. Besonders autoritätsgläubige hierarchisch organisierte Personengruppen sind für die sogenannten „Mitentscheidungsprozesse“ von allergrößter Wichtigkeit. Leicht zu manipulieren, vorhersehbar zu instrumentalisieren, schnell durch  „wichtige Autoritäten“ einzuschüchtern, stimmen sie stets wie gewünscht ab. Auch das nennen manche Leute Demokratie.

Mit Hilfe von Baukonzernen, deren Parteilobbyisten und Werbefirmen sowie von Stadt und Stiftungen bezahlten Moderatoren soll nur noch eine Meinung durchgesetzt werden. In den jeweiligen flächendeckenden Wurfsendungen wird den Bewohnern eine Zukunft versprochen, die voll an den eigenen Interessen und Bedürfnissen der hier Lebenden vorbeigeht.

Zum Beispiel möchte der obskure dänische Besitzer des Einkaufszentrums um seine nahezu leerstehende Ruine eine noch größere Umfahrungsstraße haben. Fast nur noch Wettbüros und Spielhallen und Zigaretten-Alkoholkioske sind dort zu finden. Öffentliche Nahversorgung wird nur noch durch den letzten Discounter gewährleistet. Dieser EKZ-Besitzer möchte, wie auch die Wohnungsgesellschaften, die 40 Jahre alten Bäume abhacken um „schöner bauen“, „schneller fahren“, „einfacher parken“ und „kompletter asphaltieren“ durchzusetzen. Der Platz den die Bürger wollen, ist nicht der gleiche, wie die Konzerne ihn wollen. Geschäftsinteressen werden durchgesetzt, die man mit peinlichen Plattitüden wie „mehr Ordnung“, „mehr Sauberkeit“, „bessere Übersicht“, „Kriminalprävention“, „schönere Ästhetik“ sogar von Architekten und Freiraumplanern verbrämen läßt.

Ist die Haussmannisierung dieser Großwohnsiedlung erstmal geglückt, kann man das „Steilshooper Model“ weltweit verkaufen. Mit „die Bürger haben sogar freudig mitgemacht“, können die beteiligten Fachleute zu größter Autorität aufsteigen und ihr mehrstufiges Model gerne anderen Städten empfehlen. Und wie sagt man in diesen Kreisen so schön „Aber es gab auch ein paar kritische Stimmen“.

Veranstaltungshinweise auf Themen wie Metropolitane Perspektiven, Stadtentwicklung, fehlende Räume, Umgang mit Natur und feindliche Übernahmen…

Es wäre schön, wenn Künstler nach Steilshoop kämen und uns dabei unterstützen könnten wirklich neu zu denken. Die Balkoniade war sehr hilfreich, damals. Hier im Programm der Stadtkuratorin-hamburg.de steht genügend geistiger Zündstoff drin. Und vor allem sind die um Baumschutz bemühten Steilshooper nicht die einzigen, die sich wacker für ihren Stadtteil abmühen. Es sollten hier alle mal zu einem feinen Kongress zusammen kommen, damit wir uns mal kennenlernen können. Die große schöne Schule steht leer und die Aula war im September noch sehr gemütlich. Kommt vorbei und laßt uns mal wirklich was Neues denken und machen und nicht nur den Werbefirmeninnovationstrampelpfaden folgen.

Steilshoop – das vereinheitliche Quartier: Innovativ, attraktiv und kaum noch pflegeintensiv

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Such schön! Kannst Du die attraktive innovative Rasenkante finden? Auch im Borcherting sind schon viele Bäume abgehackt worden und ein Amphitheater wurde kurzerhand von den HID-Freunden abgerissen. Stattdessen wurde uns ein Rasenbetonkantensegen zuteil, der viele Fragen aufwirft. Auch das Lobbyistenhochglanzblättchen ist ganz närrisch vor Freude die eigenen Vorstellungen verwirklicht zu finden oder schreiben die jetzt auch Satire? Tja und wer kommt eigentlich für den Schaden auf, wenn jemand über die Kanten stolpert, sich ein Bein bricht, vom Fahrrad fällt, Arbeitsausfall hat? Attraktive Freizeit durch attraktive Kantenschläge? Innovativunfall?

Eigentlich ist es schon falsch nur Bäume zu sagen. Es gibt Kastanien, Platanen, Eschen, Eichen, Eiben, viele andere mehr und Winter-Linden. Die Winterlinde ist Baum des Jahres 2016. Linden duften so wunderbar. Sie bildeten früher häufig den Mittelpunkt des Dorfes. Heute werden sie von Stadtplanern nicht mehr gern gepflanzt, weil Autofahrer sich über ihre klebrigen Mobile beschweren, wenn sie unter Linden geparkt haben. Wer mehr wissen will, kann mal bei baum-des-Jahres.de gucken. Welche Baumarten sollen eigentlich in Steilshoop nicht gefällt werden und welche Baumarten sollten nach dem Wunsch der Fußgänger an der Gründgensstraße wieder neu gepflanzt werden? Das war ja wortreich und mit gewisser ärgerlicher Heftigkeit für den Herbst versprochen worden. Nun, der Herbst ist da. Werden es Bäume sein, die uns – und besonders den Bienen- Freude machen werden oder soll die ganze Natur auf eine pflegeleichte Art Straßenbegleitgrün reduziert werden? „Alles eine Baumart“, so lautete ja auch das großzügige Versprechen für den „Campus“. Nein, wiiiie innovativ, wie attraktiv und wenig pflegeintensiv! Ein Innovationsquartier mit attraktiven Betonwüstencharakter.

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Und bevor jetzt wieder herauskommt, daß die Baumfällfraktion die 117 Bäume nur fällen will, um mal zu messen wie lang sie schon geworden sind, hier unten mal ein Tip wie es auch anders gehen könnte. Und habt Ihr gezählt wie vielen Bäumen man hier den Garaus gemacht hat? Sind es mehr oder weniger als in Steilshoop nicht gefällt werden sollen?

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Und hier ein wunderbarer Veranstaltungshinweis für alle Baum-, Mathematik- und Meßlattenfreunde der praktischen Standortbestimmung!  Allianzen wie sie das Leben schmiedet. Wir laden Alle herzlich ein für Mittwoch, den 18.November in den „Salon de Steils“ im JETZT, Grü.22

 

Hier ein TV-Tip:

http://www.arte.tv/guide/de/051051-001/ein-traum-von-baum

Überall auf der Welt werden Bäume nicht nur ökologisch, sondern auch kulturell geschätzt und verehrt. Nur der Bezirk Wandsbek zieht für die Steilshooper Bevölkerung die Freunden der Rollrasenhügelgräber und der Umfahrungsstraße unseren Bäumen vor. Klar, sie wohnen hier nicht, sie atmen hier nicht und ihre kulturelle Vorstellungskraft bewegt sich in bescheidenen Grenzen. Guckt doch mal ein bißchen fern und erweitert Euren HID-Horizont!

 

Hässlich, aber innovativ? Steilshoop entdecken – ein Rundgang für die Freunde der Kunsthalle zur Geschichte und Architektur der Hamburger Großsiedlung von und mit Sylvia Necker am 17. Oktober 2015

Man zeigt gerne auf die Plattenbausiedlungen des Ostens und schimpft sie als Bausünden, die aus dem Geist ökonomischer Normierung entstanden seien. Zur Bekämpfung der Wohnungsnot baute die DDR bis 1989 stetig an Großsiedlungsprojekten, in denen Familien ihr neues zuhause finden sollten. Auch hierzulande gab es seit den 1970er Jahren Großsiedlungsprojekte, die mit den Hoffnungen auf soziale Gerechtigkeit und neue, partizipative Wohnformen verbunden waren. Hamburg realisierte im Vergleich zu anderen Städten in der Bundesrepublik die meisten Großsiedlungen mit denen Stadtplaner urbanes Lebensgefühl auch in die Randbezirke bringen wollten. Die Projekte Steilshoop, Mümmelmannsberg, Kirchdorf-Süd oder Osdorfer Born stehen für dieses Leitbild der „Urbanität durch Dichte“. Doch von der Utopie der 1960er Jahre scheint nichts mehr übrig, denn heute werden diese Siedlungen als Betonwüsten und unwirtliche Wohnburgen geschmäht, und es gibt nur wenige, die sie besuchen.

Auf einem ausführlichen Rundgang warfen wir am Beispiel Steilshoops einen Blick auf die städtebauliche Konzeption einer Großsiedlung (nominell muss diese für mindestens 8.000 Einwohner ausgelegt sein) und auf die Architektur, die keineswegs nur grau und klotzig ist, sondern durchaus mit gestalterischen Raffinessen aufwartet. Dabei erschließt sich auch die soziale Entwicklung der Siedlung, für die 1968 der Grundstein gelegt wurde und die in drei Jahren ihr 50-jähriges Bestehen feiert. Nach dem zweieinhalb-stündigen Rundgang diskutierten wir vor Ort mit Anwohnern die Chancen und Schwierigkeiten, die mit der Idee, auf wenigen Quadratkilometern eine städtische Dichte zu erzeugen, verbunden sind. Wenn es um die Zukunft der Siedlung geht, stellen sich drängende Fragen: wie sieht die Zukunft des Bildungszentrums aus, wie geht es mit der Neugestaltung der Mittelachse weiter und welche Erfahrungen gibt es mit dem Programm „Housing Improvement District“? Welche stadtteilpolitischen und stadtplanerischen Ziele werden zurzeit verfolgt? Welche Probleme können mit welchen Mitteln gelöst werden? Eine Lösung haben wir in der knapp eineinhalb-stündigen Diskussion auch nicht gefunden, aber zumindest wurden bei vielen Teilnehmer_innen so manches Vorurteil entkräftet.

Na, wie das wieder paßt! Mieter und Künstler stellen die Wohnungsfrage von Peter Nowak auf Telepolis

Apfelbaum statt Kantensaum – Tiere statt Innovationsalptraum

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Kein Herz für Tiere als Zeichen des Fortschritts. Auch die Sozialräume für Tiere stören die Innovation. Das Tierhaus wird abgerissen. Wieder ein gelungenes Stück Aufwertung, Attraktivität und Innovation im Innovationsquartier nur ohne Tier.

Still und ohne viel Aufhebens darum zu machen verschwinden die Gemeinschaftsräume aus den Wohnbereichen, soziale Einrichtungen werden abgerissen oder geschlossen, gewachsene Strukturen durch kurz oder längerfristige Umsiedlung zerschlagen. Übrig bleibt eine Wohnmaschine mit säuberlichen Rasenkanten, dem innovativen Glücksmodul der Rasenkantenfraktionäre.

Für eine Großraumsiedlung wie Steilshoop anscheinend gut genug. Doch zeigt die Planung, daß die Reformidee des Stadtteils nicht nur auf der Strecke bleibt, sondern gar nicht erst verstanden wurde. Deshalb hier ein Exkurs:

Wider die Verpiefisierung der Reformidee Steilshoops –
die Wohnqualität (Teil 2)

 Avantgardistischer Ausdruck des Bauens der Moderne waren neben dem bedeutenden Grundrißzitat (siehe Teil 1), das Prinzip der Qualität des Wohnens. Martin Kersting hat in seiner „Geschichte des Stadtteils Steilshoop. Anm.1   die städtebaulichen Leitbilder die es zu überwinden galt ausführlich erläutert, die hier nur in Thesen wiedergegeben werden können. Die hellen Wohnungen größten Zuschnitts boten moderne Ausstattung. Unter „durchwohnen“ verstand man damals die Möglichkeit Licht, Luft und Ausblick zu zwei Himmelsrichtungen hin genießen zu können. Fenster und Frischluft galten als Synonym für Gesundheit, Befreiung und Übersicht. Es war ein programmatischer Abgesang auf innenstadtnahe dunkle Keller und Hinterhofsiedlungen, in die zu keiner Tageszeit ein Lichtstrahl fiel. Damit war u.a. das drangvoll enge Gängeviertel gemeint. Nur wer finanziell in der Lage war, die überfüllten Innenstadtquartiere mit ihrem Lärm, Gestank und Schmutz hinter sich zu lassen, konnte ein Leben in Licht und Frischluft, Ruhe und naturnaher Beschaulichkeit genießen. Doch schien Großstadtflucht für weite Teile der Arbeiterbevölkerung weder finanziell noch zeitökonomisch durchführbar.

In Steilshoop aber wurde ein Heilsversprechen eingelöst. Helle geräumige Wohnungen erhoben die Mieter aus der Düsternis in eine neue Lebensform. Unglück und Peinlichkeit hatten ein Ende. Nun konnte man, ohne sich genieren zu müssen, Gäste einladen und stolz sein wohlgeordnetes modernes Leben vorführen.

Die Planer seinerzeit hatten aber an sehr viel mehr als nur an Wände, Decken, Heizungen und Aufzugeinbauten gedacht. Balkone und Terrassengärten beförderten das Gefühl „fast ein Häuschen im Grünen“ zu bewohnen. Pro Mieteinheit bot ein Kellerraum sichere Staufläche. Ein zusätzlicher Fahrradkeller beförderte die Mobilität im verkehrsberuhigten Stadtteil, ein Wäschekeller bot Raum für Maschinen, Trockner und Leinen. Die stets gemütlich aufgeräumte Wohnung mit Platz zum “leben“ war so garantiert.

In sozialer Hinsicht konnten im neuen Wohnparadies weder Dorf- noch Innenstadtstrukturen zugrunde gelegt werden. Den damaligen Planern war bewußt, daß Häuslichkeit und Wohnzufriedenheit mit sozialen Kontaktmöglichkeiten einhergehen müsse. Sie revolutionierten die Raumaufteilung in einem damals unüblichen Maße: neben der klassischen Raumzuschreibung: Küche, Wohnzimmer, Elternschlafzimmer und ein oder mehrere Kinderzimmer, gab es Gästetoiletten. Ein Hinweis für das sensibel aufgefaßte Zustandekommen von Intimität der Privatheit bei Gleichzeitigkeit von Kontakt. Auch der Gast des Mieters war König.

Der nachbarschaftliche Kontakt mußte für eine „Trabantenstadt“ neu definiert werden, da weder die Funktionszusammenhänge des Dorfes noch der gewachsenen innerstädtischen Gemeinde hier zutreffend sein konnten. Alle neuen Bewohner würden sich zunächst fremd sein. Das abzusehende Konfliktpotential durch das übergroße Maß der Befremdung sollte sich in freundschaftliche Nachbarschaft verwandeln.

Daher planten die Architekten –damals sozial revolutionär- heute ausdrücklich zu vermeiden- eine Vielzahl von gemeinschaftlich zu nutzenden Räumen.

So gab es Partykeller mit Tischtennisplatten um auch spielerisch in Kontakt treten zu können. In zahlreichen Häusern richtete man „Partywohnungen“ mit Küche und einladender Dachterrasse ein. Sie befanden sich –was sich später als gravierender Nachteil herausstellte – im obersten Stock (Gründgensstraße). In einigen Ringen gibt es immer noch Gemeinschaftspavillons (Borchertring), die für einen geringen Betrag gemietet werden können. Kleine Holzhütten kamen später dazu (Ring 2).

Sogar Saunaräume wurden eingerichtet (Borchertring), die nicht nur für gehobenen Lebensgenuß mit Entspannungsfaktor standen, sondern zugleich ein deutliches Zeichen gegen Prüderie und Spießigkeit setzen. Die „Gesellschaft im Aufbruch“ kam im Zielbahnhof Steilshoop an. Die sexuelle Revolution der späten sechziger Jahre, die neu einzuübenden Umgangsformen der Geschlechter und die persönliche Selbstbestimmung wurden in höchsten Maße durch eine visionäre Architektur aktiviert bzw. überhaupt erst möglich gemacht. (Wenn auch Überlegungen wie etwa die Hausarbeit als weiblichen Privatbereich zumindest zeitweise zu vergemeinschaften in die zwanziger Jahre gehörten, wo sogar Gemeinschaftsküchen angedacht waren.) Zumindest die Kinderbetreuung wurde in Steilshoop in neuen Bezügen gedacht. Einige „Spielewohnungen“, gibt es bis heute. Viele (dann doch aber wieder) Frauen konnten durch die Möglichkeit der Kinderbetreuung selber einer Erwerbsarbeit nachgehen oder sich in andere Bezüge einbringen. Der sozialen Utopie wurde der Weg mittels Gemeinschaftsarchitektur geebnet.

 Wie steht es darum heute? Die meisten Räume gibt es noch. Über die Partykeller wird heute gesagt, daß die zu oft feuchtfröhlichen Nutzer es übertrieben hätten. Kolportiert wird zumindest, daß Nutzer mit schlechten Umgangsformen die guten Möglichkeiten zunichte gemacht hätten. Auch überflüssiges Mobiliar wäre statt auf dem Sperrmüll im Gemeinschaftsraum gelandet. Gewisse Hausmeister, die diese Räume heute streng verschlossen halten und auf Fragen Unwissenheit vorgeben, lagern jetzt darin Gartengeräte und Winterstreu.

Partyräume in der Dachwohnung hatten die Nerven der darunter wohnenden Mieter allwochenendlich überstrapaziert. Dauernde Klagen konnte die Hausverwaltung nicht abweisen und sah sich gezwungen die Gemeinschaftsräume zu schließen.

Auch die Jahrzehnte später zugezogene Bewohnerschaft, die durch behördliche „Zuweisung“ hier ein Zuhause fand, wurde für den Niedergang und Verlust der Sozialräume verantwortlich gemacht. Problembehaftete Familien oder Alleinerziehende konnten und wollten moderne Vorstellungen von einem weitläufigeren Lebensentwurf nicht ins eigene Weltbild implementieren. Sie gelten bis heute als entscheidender Faktor dafür, daß in Steilshoop die bürgerliche Mitte entnervt auszog. Mit ihnen schwanden selbstbewußt agierende Mieter, die Hobby, Nachbarschaft, Rückzug und Gemeinschaft in feinfühliger Weise miteinander hätten ausbalancieren können. Selbstverwirklichung und soziales Miteinander in Einklang zu bringen ist auch heute eine einzuübende Fähigkeit. Die meisten Familien damals wie heute werden patriarchal, zumindest hierarchisch organisiert.

 Einzig die größte Wohngemeinschaft Europas probte hier den Aufstand aus dem bürgerlichen Mief. Sie kümmerten sich rührend -und aus heutiger Sicht völlig illusionär- um den „verlorenen Anteil der Gesellschaft“ wie entlassene Strafgefangene und vielköpfige Familien in der Schuldenfalle. Allein – sie konnten die geistige Unbeweglichkeit und die finanzielle Desolation nicht aus eigenen Möglichkeiten kompensieren noch finanzieren. Zeitzeugen und frühere Bewohner haben sich zu dem Film von Egmond Tenten „Wohnfriedhof oder urbanes Leben? Wohnprojekt Steilshoop“ geäußert. Die Betreiber des Centro Sociale in der Sternschanze waren nach der Filmaufführung fassungslos. „Die größte Wohngemeinschaft Europas ausgerechnet in Steilshoop und wir hier erfinden das Rad gerade neu.“

Die Treffpunkte, um den Austausch zwischen Erwachsenen zu befördern, sollten also ausdrücklich auch im Wohnbereich möglich sein. Sukzessive gingen diese Räume verloren, wurden geschlossen, wurden vergessen. Vielleicht allerdings war auch zuviel Gemeinschaft nicht gewünscht. Gute Nachbarn besprechen ihre Mietsituation. Sie reagieren gemeinschaftlich auf überhöhte Mietnebenkostenabrechnung wie auch das gelegentlich vorkommende Schimmelproblem. Sie mahnen Handwerkerarbeiten und Pflegearbeiten an. Irgendjemand schreibt eloquent formulierte Briefe an die Hausverwaltung. Gemeinsam ist man stark.

 „Überlassen sie die Beurteilung Ihres Stadtteils getrost uns. Unsere Fachleute wollen nur Ihr Bestes – Ihr Geld“

 Die tätige Bewohnerschaft ist dem rundumbetreuten Mieter gewichen, dessen Selbstwertgefühl am Fädchen der wohnungseigenen Werbefirma hängt. Sagt diese „Wir werten Ihren Stadtteil auf“, kann es eigentlich nur darum gehen längst fällige Renovierungsarbeiten als große Modernisierung auszugeben. Der Mietzins kann dadurch wesentlich höher angesetzt werden. Das große Modernisierungswerk soll über die Peinlichkeit hinwegtäuschen viel zu lange gar nichts getan zu haben. Ab dann wird jede Veränderung –und sei sie noch so schlecht – als gelungene Aufwertung und Attraktivitätszuwachs verkauft. Das Zauberwort ist Innovation, und aus der überfälligen Erneuerung wird ein Präfix: Innovationsmanager, Innovationsquartier, Innovationsorganisation, Innovationspartner, Innovationsarchitekt, Innovationsplaner, Innovationsgehabe. Nur die Mieter bleiben vorerst dieselben.

Der Mangel an kontinuierlicher Pflege wird zum finanziellen Vorteil verdreht. Der Reformstau wird belohnt.   Dafür werden neue –zuweilen behördlicherseits kofinanzierte Programme aufgelegt. Bau- und Abrißlobbyisten rücken mit ihrem Werbetross an. Die Stadtteilmoderatoren tun das wofür sie bezahlt werden, sie gehen auf die Suche nach Claqueuren. Die Profiteure hegen die Hoffnung, daß vielen Bewohnern die heftigen ins Haus stehenden Mieterhöhungen zu teuer sind. Denn umgelegt, werden sie ganz sicher. Und das diese in weiter entfernt liegende Quartiere ausweichen. Erst Fluktuation erlaubt höhere Mieten bei Neuvermietung. Steilshoop ist ein sehr beständiges Viertel, Mieterhöhungen müssen sich daher in bestimmten Rahmen bewegen. Mietertreue wird schlecht belohnt. Gentrifizierung hat viele Gesichter, aber immer das gleiche Ziel.

Das Verschwinden der Sozialräume geht einher mit dem Verschwinden und der Abwertung des Wortes „sozial“, denn auch sprachlich gelang den Gegenwartsstrategen der große Coup. Indem sie ihren Presseorganen im letzten Jahrzehnt einimpften, daß das Wort „sozial“ bei Benutzung nur in Verbindung mit pejorativen Attributen niedergeschrieben werden darf, ist der Begriff „sozial“ fast nur noch in Verbindung mit „schwach“ anzutreffen und dieser wiederum wird statt des Begriffes „arm“, bzw. „ohne Geld“ benutzt. In gewissen Kreisen werden Arme jetzt „sozial Schwache“ genannt im Gegensatz zu den Gierlappen die weder teilen wollen, noch andern ein Mindestmaß an sozialer Teilhabe und Mitsprache gönnen, also tatsächlich sozial sehr schwach sind.

Literatur:
Anmerkung 1: Martin Kersting. Steilshoop. …aus dem Hause tretend möchte ich Bäume sehen…Die Geschichte des Stadtteils von den Anfängen bis zur Gegenwart. Hamburg 2009

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Klaus der Geiger aus Köln. Mit Singen und Geigen die Bösen vertreiben.

 

Wir müssen weder das Rad noch die Baumbesetzung neu erfinden.

Ein ganz phantastischer Musiker mit einem faszinierenden Lebenslauf ist Klaus, der Geiger aus Köln. Er hat etliche Baumerhaltungs- und Baumbesetzungslieder geschrieben. Immer aktuell, wild, laut und engagiert ist er schon gegen die Startbahn-West mit seiner Fidel zu Felde gezogen. Damals gab es auch eine Partei, die sich gegen das Abhacken der Bäume und für Lebensgrün engagiert hat. Die ist eingegangen habe ich gehört und andere Leute haben den Namen mit dem grünen Image übernommen. Von vielen guten Menschen wird Klaus für seine Musik geliebt. Er ist ein Wunder an Vitalität und Lebensfreude. In Ottensen hat er (vor einigen Jahren) mit seinen Mitstreitern nach ein paar Takten schon die ganze Hauptstraße gerockt. Wow! Wie wäre es damit, daß wir ihm oder ähnlichen Musikern einen Platz für „Artist in Residence“ in Steilshoop anbieten? Unsere so kulturbeflissenen Wohnungsbauunternehmen werden sicher über einen so renommierten Aufwertungssymphoniker entzückt sein und die paar Euros, die so ein Künstler braucht, sind sicher in den vielen Niedrigschwellungstöpfen leicht zusammenzukratzen. Und dann kann er ja auch immer zu diesen vielen „Frühstücken“ gehen, ohne die in Steilshoop kein Weiterbildungsprogramm durchgeführt werden darf. Am Rübenkamp ist übrigens die Musikhochschule. Die haben dort schon den halben Stadtteil City-Nord in Entzückung versetzt, weil sie für die jeweiligen Gastgeber und Anlässe ein „Spezial“ zusammengestellt haben. Und auch die waren richtig, richtig gut!

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Text und Foto aus dem Buch. „Klaus, der Geiger und die Kölner Straßenmusiker. Du, Krone der Schöpfung…“

 

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Idylle am Bramfelder See wie in einer Kinderbuchillustration. Doch die Zeitungen sagen anderes über Steilshoop. Steckt hinter jeden Pilzkopf ein getarnter Ganove? Oder sind die Auftraggeber nur neidisch auf die Glückspilzlage von St. Hoopez an der unberührten Küste vom Bramfelder See? Premiumlage zwischen Kleingärten und Parkfriedhof? Wir berichten über die Eifersucht auf ein Wohnviertel mit altem Baumbestand und individuellen Vorgärten trotz Hochhausambiente.

Für einige Wochen gelang es uns im Internetranking  „Steilshoop mit Baumrettern“ zusammenzubringen. Damit haben wir viel Gutes für den „Ruf des Stadtteils“ geleistet.

Hat der Gegner mehr gezahlt als wir? Das der Gangster vor dem Hintergrund einer grünen Hölle aus dem Schatten der Bäume tritt, ist sicher ein gewollter Aspekt der Komposition des Bildes, das im Kleingedruckten als Symbolbild ausgewiesen wird. Nun denn, Symbolik fällt in das Ressort der Kunsthistoriker.

Eine kunsthistorische Betrachtung – das Herrscherbild unter neuen Vorzeichen

Unter der Überschrift „Steilshoop & Billstedt Maskierte Gangster rauben Läden aus“ hat die Morgenpost am 19.10.2015 ein Foto veröffentlicht, auf dem ein mit schwarzer Strumpfmaske getarnter Mann in einem Außenraum stehend eine Pistole aus dem Bild richtet.

Die Bildunterschrift besagt:

„In Steilshoop haben zwei maskierte Räuber einen Kiosk überfallen. (Symbolbild)…“

Darunter erfährt man, daß zwei maskierte Räuber am vergangenen Freitag gegen 21 Uhr mit einer Schußwaffe und einem Elektroschocker einen Kiosk am Schreyerring überfallen haben. Sie bedrohten und bestahlen den 51-jährigen Angestellten, der allein im Kiosk war und entkamen unerkannt. Weitere Untaten von weiteren Unbekannten in anderen Stadtteilen vervollständigen die Aufzählung.

Wir richten unsere Aufmerksamkeit auf das „Symbolbild“.

Im Bildmittelpunkt sehen wir einen Mann, mit schwarzer Strumpfmaske über dem Kopf. Augen und Mundlöcher sind frei geschnitten. Er trägt helle Freizeitkleidung und richtet mit geradem ausgestrecktem Arm eine Pistole am Betrachter vorbei nach links. Aus Gründen der Fotooptik ist die Figur des Übertäters scharf abgelichtet, die Pistole schon im Nahsichtbildraum nur noch unscharf zu erkennen. Das Umfeld ist nicht ein Kiosk wie man meinen könnte, sondern ein Außenraum. Im Hintergrund erscheint ein verrostetes Metalltor, gekrönt von Abwehrspitzen aus Eisen. Vom Fußboden erkennen wir eine kleinteilige Pflasterung mit herbstlichem Laub auf regennassem Terrain. Von links wird das Bild von großen Sträuchern oder Bäumen begrenzt. Auch über der Metallbarriere wuchert Grün.

Durch die Bezeichnung „Symbolbild“ ist der Dokumentar- bzw. Wahrheitsgehalt relativiert und die Journalisten auf der sicheren Seite. Glückwunsch! Übrig bleiben allein die Symbole. Wofür stehen sie?

Sicher sagt die Bezeichnung Symbolbild in Klammern (Symbolbild), daß Text und Bild nicht übereinstimmen, aber geht auch dadurch der allgemeine Wahrheitsanspruch verloren? Ist ein Symbolbild nicht etwas, was die Situation sogar noch deutlicher abbildet, eine Verdichtung der Wahrheit sozusagen?

Widmen wir uns der Bildikonografie.

Den Mittelpunkt bildet der Bandit der im schwarz-weiß Kontrast, schwarze Maske, weiße Weste, sich gut gegen den grün-grauen Farbakkord im Hintergrund abhebt. Den Punkt der Aufmerksamkeit bildet das durch die schwarze Maske unkenntlich gemachte Gesicht. Die helle kantige Hintergrundarchitektur steigert die schwarze Kopfrundung und nimmt in der Farbigkeit von Rost oder Dachziegeln die dunkle Augenpartie wieder auf. Ein mitleidloser „steinharter“ Blick wird so durch Farbigkeit und Materialität der Metaphorik elegant ins Bild gesetzt. Die Augenpartie wird durch eine dahinterliegende Linie nach rechts und linkes geweitet. Dem Ganoven entgeht nichts. Und darüber hinaus faßt er den Betrachter in den Blick, obwohl die Waffe noch nach links zeigt. Die Verschwenkung der Pistolenmündung auf den Betrachter wird – und das ist das Spannungsmoment – mit der Blickrichtung auf den Betrachter erfolgen. Im Bruchteil eines Wimpernschlages, werden wir es sein, die ins Auge gefaßt und ausgeraubt werden. Die glänzende graugrüne Waffe verschmilzt in der Farbigkeit mit dem Laub und dem Schatten der Bäume, aus der der Täter zu treten scheint. Seltsam, da er doch in einem Kiosk seine Waffe zückte. So wird der Außenraum Steilshoops symbolisch zu einem feindlichen Raum erklärt, in dessen „Schatten der Bäume“ maskierte Täter unerkannt kommen und gehen. Aug in Aug mit dem Täter steht der Fotobetrachter, wobei die entschlossene Hand in der Verkürzung monumental nah gesehen, noch links neben ihn zielt, den Moment der Tat herauszögernd. Das Foto ist aus der leichten Obersicht aufgenommen, so daß wir den Scheitelmittelpunkt der schwarzen Strumpfmaske sehen. Dies suggeriert, daß das Foto mit Hilfe einer Überwachungskamera aufgenommen sein könnte. Dadurch wird der Illusion der dokumentarischen Ansicht Vorschub geleistet. In dem Maße wie dieses Foto als „Ausschnitt der Wirklichkeit“ inszeniert wird, wird die Wirklichkeit der Situation dekonstruiert. Nicht ein Kioskinnenraum ist der Gefahrenort, sondern der Baum- und Buschaußenraum zu dessen gefährlicher Dschungelhaftigkeit auch die überwachsene Terrassierung beiträgt. Wie ein helldunkel geflecktes „Raubtier“ aus dem Busch erscheint hier der Bösewicht um dort wieder – in seiner Sicherheit – zu verschwinden. Die verrosteten Flügel des Metalltores im Hintergrund evozieren die Vorstellung von Baracken, Garagen, Containern und verweisen auf den maroden Charakter des Stadtteils. Zusammen mit dem hellen, dichtstehenden Gebäude eng dahinter wird die Vorstellung von kleinteiligem Gassengewimmel einer Favela hervorgerufen, in der sich nur die Einheimischen auskennen. So kann der Räuber entweder durch das spaltbreitgeöffnete Tor davonschlüpfen, sich sportlich mit wenigen Griffen an der Metallspitzenbewehrung hochziehen oder sich in die Büsche schlagen. Allein der Bildbetrachter scheint sich in auswegloser Situation zu befinden. Der Camouflagecharakter in Farbe (grün, grau, braun und hell = Lichtreflexe) und die Struktur der Fleckigkeit (Augen und Mundschlitze, Rostflecken, Blätter am Baum, Herbstlaub am Boden, Witterungsspuren am hellen Gebäude) rufen den Eindruck von „Hinterhalt in unwegsamen Gelände“ hervor. Betont wird dieser Eindruck durch das Straßenbegleitgrün welches hier zu einer Dschungellandschaft komponiert wurde. Zur deren Feindlichkeit trägt auch die Assoziation der überwucherten terrassierten Anlage im oberen Bildbereich bei. Nur ein Handlauf ist noch zu sehen. Assoziationen werden geweckt wie etwa an eine überwucherte verloren gegangene Kultur im Regenwald von Archäologen gerade entdeckt oder das malerisch übergrünte Treppenviertel von Blankenese. Die Aussage ist das die Flucht nicht nur horizontal, sondern auch nach oben und unten über Treppen erfolgen kann. Auch die Eisenspitzen am Tor rufen die Assoziationen von Gefährdung hervor. Dieser Bandit –der sich gut auszukennen scheint – wird mit Geld und Gut verschwinden. Er ist der wahre Herrscher des Dschungels und damit wird hier ein „Herrscherbild“ komponiert, daß aus wenigen Klischees besteht, die man den Bewohnern hier mit Hilfe der Presse überstülpen will. Auch das es auf dem Foto taghell ist, will vermitteln, daß Kriminalität hier zu jeder Tageszeit ungestraft stattfinden kann. Der Text spricht allerdings von 21 Uhr abends, wenn es jetzt in Wirklichkeit schon dunkel ist. Die regennasse Straße steht für die Widrigkeit der Witterung, ohne guten Grund ist keiner mehr unterwegs – man ist allein im Regendschungel Steilshoops. Aug’ in Aug’ mit den Banden und Banditen? Durch den jahreszeitlichen Bezug wird die Aktualität der Fotos unterstrichen und in den Bereich der Wahrhaftigkeit integriert. Gerade fallen die Blätter und es regnet – das Foto muß authentisch sein!

Wie steht es um die Metaebene solcher Bildsprache? Klar, die Zeitung will sich verkaufen und tut dies mit der Assoziation „live dabei in Steilshoop“.

Den Bewohner Steilshoops, die im Moment mit einer Bürgerinitiative gegen den Kahlschlag in ihrem Stadtteil ankämpfen und für den Erhalt des Grüns mehr als 3000 Unterschriften gesammelt haben, hat dieses „Symbolfoto“ einen Bärendienst getan.

Die Bäume, die zugunsten einer Umfahrung weichen sollen, werden schon seit Monaten von der Fällfraktion inkriminiert. Mit dem Begriff „Sichtachsen herstellen“ werden Alleen inkriminiert, die dem Straßenbau im Wege sind. Auch die Sichtachsen, die auf den bislang unbebauten See führen sollen – unter den heftigen Protest der Bevölkerung- wurden bei der Vorstellung des Rahmenplanes Nord der Schuld bezichtigt. Wenn die Bäume gefällt würden, wurde damals gesagt, würde dadurch eine „sinnvolle Kriminalprävention“ in die Wege geleitet. Ein ungeheurer Aufschrei der Empörung erfüllte damals den Diskussionsort. Das von außen bewußt den Steilshoopern übergestülpte Bild, ist das der überhandnehmenden Kriminalität, der Täter, die aus dem Busch springen und dorthin zurückschleichen. Das Bild der guten Situation, das die Baulobbyisten verbreiten möchten, ist die Befreiung von Grünzonen, die als gefährlich, heimtückisch und uneinsehbar definiert werden sollen. Ein baumbestandener Marktplatz oder eine Biotopanlage am See werden jetzt als Gefährdung der Übersicht und öffentlicher Sicherheit beschuldigt.

Wenn der Mietspiegel steigen soll, müssen die Imageprozesse von außen gesteuert und dominiert werden. Den Steilshoopern sollen die Möglichkeiten genommen werden sich mit ihrem Stadtteil, ihrer Bausubstanz, ihren Plätzen und ihrem Grün zu identifizieren. Fremde Besitzinteressen organisieren die Auf- und Abwertung des Stadtteils mit ihren Moderatoren in gezeitenartigen Schüben, die der Bevölkerung ihre Ohnmacht vorführen soll. Aufwertung macht eine Werbefirma der Wohnungsgesellschaft, Abwertung macht eine Polizeimeldung mit gestelltem Zeitungsfoto. Aufwertung macht eine bezahlte Jubelankündigung für einen bevorstehenden Abriß. Abwertung macht eine Notiz des Polizeiberichts. Die Zuschreibung kommt von außen. Andere Meldungen über Aktivitäten finden mangels Treffpunkten nicht mehr statt oder werden von Zeitungen nicht aufgenommen. In dem Moment in dem die Steilshooper vor Peinlichkeit nicht mehr sagen wollen, wo sie wohnen und keine wirkliche Beheimatung außerhalb ihrer vier Wände mehr spüren, können die Gentrifizierer die Premiumgrundstücke zum Ghettopreis erwerben, Mietwohnungen zu Eigentum verwandeln.

Auch das schöne Ottensen wurde vor der Übernahme „als Ghetto“ diskriminiert. Die Mieten und Grundstückspreise verfielen. Nach dem Tag der billigen Übernahme, schossen sie in die Höhe – das Inviertel wurde über Nacht geboren.

Die Gewalttätigkeit die auf dem Symbolfoto hier – wenn auch unterbewußt – mit dem Stadtteil verbunden werden soll, ist ein Affront gegen die hier lebende Bevölkerung. Die Überfallenen sind Opfer und nicht Protagonisten der Gewalt. Und in Steilshoop herrscht auch nicht das Dschungelgesetz des Stärkeren. Doch bedauerlicherweise verfügen wir auch nicht über die Wirkmächtigkeit von auflagenstarken Blättern, die sich zum Ziel gemacht haben, jegliche polizeiliche Berichterstattung hier zu Revolvergeschichten mit Fantasyillustration zu machen.

Die Frage ist wer, neben den Auflageninteressen, hinter solch einer Diffamierung steckt und welche Wünsche mit dieser Art Bildberichterstattung bedient werden?

Wir wehren uns gegen eine Inkriminierung unserer Baumbestände und der Vorstellung, daß Gangster hier hinter den Bäumen hervorspringen. In der Regel springen sie aus ihren Autos heraus und damit entkommen sie auch. Wir sind gegen die Umfahrungsstraße, gegen Sichtachsen und gegen Kahlschlag!

 

Kahlschlagstoppen.de  Das Realsatiremagazin für den Stadtteil, der ein wenig Lenkung braucht und lernen muß auch ohne Bäume, Büsche und Sträucher zu leben.

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Steilshoop von Anfang an auf großer Talfahrt. Warum alle alle Wege bergab führen, obwohl alles so schön in die Höhe geplant wurde. Ist auch diese Achse eine Sichtachse oder nur eine überdimensionierte Rasenkante ohne Rasen? Oder ein Tunnel ohne U-Bahn?

Sie holen uns weder die Sterne vom Himmel, noch haben sie uns einen Rosengarten versprochen. HID bezahlte Freiraumplaner frönen ihrer spießigen Ordnungsliebe und Vorstellung vom „Retrolook“ der 70er Jahre.  Für eine Großraumsiedlung wie Steilshoop gut genug, scheinen sie zu denken. Doch zeigt die Ausführung, daß die Reformidee auf der der Stadtteil fußt, nicht nur auf der Strecke bleibt, sondern von den Graskantenfraktionären gar nicht erst verstanden wurde. Deshalb hier der ein oder andere Exkurs „Wider die Verpiefisierung der Vision, welche dem Stadtteil Steilshoop zugrunde liegt“

DER revolutionäre GRUNDRISS oder wie aus einer Verheißung ein Pipitunnel wurde

Seit den 70er Jahren nimmt man in der Stadtentwicklung von der strikten Funktionsteilung, wie von Le Corbusier in der Charta von Athen (1933) proklamiert, wieder Abstand. Die funktionale Stadt war ein schöner Traum. Die Entflechtung der Funktionsbereiche zwischen Wohnung, Arbeit, Freizeit und Konsum bedingten, daß das Auto zum eigentlichen Eigenheim wurde. Die Verkehrsstaus machten aus den Pkw das mobile Zivilisationsgefängnis. Die Theorie wurde in der Praxis ein Verkehrsalptraum.

Für Steilshoop, eine der spätgebauten (1969) Großraumsiedlungen hätte dies nicht zutreffen müssen. Getragen von den Erfahrungen und offen für die Diskussion der Fehlervermeidungsstrategien, war schon der Grundriß ein Fanal der Modernität, ein Bekenntnis zum Flugzeug-Höhenflug und damit zur urbanen Geschwindigkeit. Jeder Architekturstudent war mit der Verheißung eine Stadt aus dem Boden stampfen zu dürfen ausgerüstet und nur folgerichtig war da die Anleihe an den Tragflügelgrundriß von Brasilia, der Stadt der neuen Zivilisation im Urwald, errichtet von dem kommunistischen Architekten Oscar Niemeyer.

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Grundriß von Brasilia. Moderne Zivilisation im Urwald mit Partnerstadt Steilshoop. Auch hier werden zur Zeit Flächen gerodet um den Dschungel zu bekämpfen. Foto gemeinfrei

Über dieses Detail wurde im Stadtteil übrigens bis vor 2 Jahren eifrig gestritten, bis Hamburgs Oberbaudirektor Jörn Walter auf den Steilshooper Vortragstagen diesen Disput zugunsten des Vorbilds entschied und die Flügelform in seinem Vortrag sogar zur gewollten und weiter auszubauenden Planfigur als wünschenswert vorgab. Das Flugzeugmotiv machte deutlich, daß moderne Technik, Hochhäuser, Aufzüge mit neuen Dimensionen himmelwärts stürmten. Vertikalität gepaart mit Eleganz der Höhe nannte man damals überall Wolkenkratzer. „Hoch hinaus“ mag dann auch die passende Metapher für die Hybris sein, der der Stadtteil letztendlich zum Opfer fiel. Besonders die Mitte wurde noch im nachhinein um mehrere Geschosse aufgestockt. Hausbesitzer wollten es sich nicht entgehen lassen direkt neben bzw. über dem U-Bahn-Tunnel Wohnraum in Hülle und Fülle anbieten zu können. Ach hätten diese Gierlappen sich für den Bau der U-Bahn dann doch genau so engagiert, wie für die zusätzlich zu vermietenden aufgestockten Etagen! Bis zu 13 Geschossen wurden aufgrund eines „schnellen Verkehrsversprechens“ gebaut. 1969 reichte den friedlichen Steilshoopern das Versprechen und es reicht zumindest den meisten bis zur Gegenwart. Im Gegensatz zu den Rufmordkampagnen gewisser Hamburger Journaille ist die hiesige Bevölkerung nicht gefährlich, sondern eher zahm und lahm, leider auch leicht hereinzulegen und friedlich bis zum Koma. Nicht alle. Vor einigen Jahren erhob sich eine Gruppe, die den „Kulturbahnhof“ initiierte und am projektierten Eingang der Minus-1-Ebene des EKZ Sänger, Musiker, Tänzer, Rezitatoren aus dem Viertel auftreten lies. Sie trafen sich –nichts ist nachhaltiger als Gerüchte – an der U-Bahn Steilshoop.

FAZIT: Wäre die versprochene U-Bahn gebaut worden, wäre die urbane wuselige und hektische Mitte der Tunnelmund bei der Martin-Luther-King-Kirche. Der Stadtteil wäre an die Welt angeschlossen, flott, flexibel und immer auf dem Abflug. So finden wir heute dort nur eine völlig unmotiviert zu massig ausgefallene Unterführung, Müll wirbelt im Windkanal, es riecht nach Pipi – ein Höllenschlund, zugig ohne U-Bahn, frei nach Dante „tretet ein und laßet alle Hoffnung fahren…“

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Blau als beruhigende Farbe um die Bevölkerung nicht aufzuregen. Haben Sie sich noch nie gefragt, warum gewisse Orte noch viel scheußlicher sind, als not tut? Da unten war seit 1969 der Verkehrsknotenpunkt des Stadtteils geplant. Tausende sollten hier unten in die U-Bahn steigen. Doch sie hielt hier nicht. Jetzt werden Probebohrungen durchgeführt. Das Versprechen lebt seit Jahrzehnten alle 4 Jahre einmal feurig auf. Daran merkt der Steilshooper, daß wieder Wahlkampf ist. „We want U-Bahn“ aber leider bekommen wir nur abgehackte Bäume, Sichtachsen und Rasenkanten hier in der Fassung XXXL mit Pipiodeur, siehe links unten.

Unter Bauwirtschaftsfunktionalismus leiden noch mehr Menschen, als nur die Steilshooper. Stadt und Urbanität vor neuen Herausforderungen.

Kahlschlagstoppen – das Realsatiremagazin für den verrufenen Stadtteil, selbst das Gras wächst hier außerhalb von Rand und Band!

Graswurzelrevolution in Steilshoop

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Gras ist Kult in Steilo – aber Hoppla! Wächst da nicht jemand auf der falschen Seite? Man beachte die Betonstaubspur vor der Graswachsachse! Die harte Kante wurde von Fachleuten ein wenig abgeschliffen, damit man sich nur leicht verletzt, wenn man darüber stolpert. HID am Borchertring.

Gras ist Kult in Steilshoop. Als gestern der Freiraumplaner die Außenanlagen der neu zu bauenden Schule vorstellte, entzückte er die gläubige Zuhörerschaft mit dem Versprechen nicht nur Gras, sondern gleich Gräser anzupflanzen.

Was die Bäume angeht, die dort ebenfalls angepflanzt werden sollen, versprach er „eine Baumart„. Das finden wir besonders aufmerksam, weil die stets als niedrigschwellig angesehene Einwohnerschaft mit zu viel Biodiversität schnell überfordert sein könnte. Es ist sehr  rücksichtsvoll, daß auf einem Schulgelände mit Beratungsinstitutionen, vollmundig Campus genannt, nicht so viel Naturdurcheinander zugelassen wird.

Steilshoop – gut verhandeln statt verschandeln

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Alt, krumm und krank – und trotzdem geliebt!  Baumerhalt in der Hauptstadt. Und trotz Bäumen kaufen Menschen noch ein und verkehrsberuhigt ist der Innenhof obendrein. Bänke gibt es auch – und die Gastronomie brummt. Warum muß es in Steilshoop eigentlich immer sooo häßlich sein, besonders wenn die Fachleute, die es „schön machen“ mit dem Geld über alle Berge sind? Vorher haben sie Bäume abgehackt und blühende Büsche ausgerissen.  aus der Serie: „Woanders geht’s!“

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Kürzlich plauderten zwei Papierkörbe im sauberhaften Steilshoop über die jüngsten Ereignisse. Früher hätten sie ihre Kumpel, die Bäume selbst befragt. Aber nun erinnern nur noch die Rasenquadrate an die Opfer der Busbeschleunigung. Wir geben ihre Unterhaltung sinngemäß wieder. aus der Serie: 32 berühmte Ansichten auf das Steilshooper EKZ

Manchmal werden die Baumfreunde darauf angesprochen, ob denn der Name „Kahlschlagstoppen.de“ sein muß.
Es höre sich so martialisch an. Das sei nicht gut fürs Image.
Wessen Image?
Das des Stadtteils.
Wie jetzt?
Das Steilshoops Image soll doch aufpoliert werden. Darauf haben sich zumindest Behörden, Parteien und Wohnungsgesellschaften verständigt und die sogenannten Aufwertungsmaßnahmen verabredet. Und nun höre es sich an, als ob zu viele Bäume abgesägt werden würden.
Und wäre dem nicht so?
Nur im Zentrum.
Ja und wären denn 117 Bäume nicht viel?
Na, wenn man die Zahl teile in öffentliche und private Bäume wären es doch schon bedeutend weniger. Und einige würden auch nachgepflanzt.
Wie viele? Wann? Und wo?
Das wisse man noch nicht, es gäbe schließlich auch viele andere Dinge um die man sich kümmern müsse. Und außerdem habe man gute Gründe für das Fällen.
Als da wären?
Es seien unterirdische Leitungen zu verlegen.
Dafür säge man heutzutage doch keine Bäume mehr ab.
Aber das hätte man doch nicht wissen können. Und es seien viele Bäume auch krank. Ein Straßenbaum halte eben auch nicht so lange. 40 Jahre seien schon das Äußerste und die seien nun genau fast auf den Tag seit Pflanzung vorbei. Und schließlich brauche man auch Parkplätze.
Aber es sei doch ein unausgelastetes Parkhaus da für ein leerstehendes Einkaufszentrum. Selbst wenn Leute zum letzten Discounter führen, verfüge der doch noch darüber hinaus sogar über eine eigene Parkfläche. Man brauche also keine weiteren Parkplätze.
Aber es sollte eine Marktfläche entstehen.
Die Marktbeschicker sagten – sie kämen nicht mehr, weil es sich für sie nicht lohne. Und eine Unterstützung hätte nie stattgefunden, obwohl „das Zentrum als Standort für die wohnortnahe Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs und für kommerzielle und öffentliche Dienstleistungen“ gesichert hätte werden sollen. (s. S. 50 Integriertes Entwicklungskonzept)
Aber es solle eine Eventfläche geben. Wo Veranstaltungen durchgeführt werden können.
Welche Art von Veranstaltungen? Mittelalterliche Aufführungen des Totentanzes nach der Pest? Der Bau des Campus, vor erst zwei Jahren von den Behörden durchgedrückt, beschlossen und verkündet, sähe doch eine attraktive Eventfläche vor. Dafür würde doch geworben. Auch die Anwohner sollten so entlastet werden. Für die Platzplanung Schreyerring / Fehlinghöhe wünschten sich die Bewohner eine autofreie Zone für erweiterte Gastronomie und Geselligkeit unter Bäumen. (Im Entwicklungskonzept S. 50: „Das Zentrum soll als Ort nachbarschaftlichen Erlebens gestärkt und zu einem Ort der positiven Identifikation mit dem Quartier entwickelt werden“) Und das sei die ursprünglich verabredete Neugestaltungsmaßnahme und für diese Neuerung seien Mittel einzuwerben gewesen. Nördlich des Einkaufszentrums sei ein urbaner, verkehrsberuhigter Platz zu schaffen Und das sei vor fast einem Jahrzehnt verabredet. Durchzuführen mit Hilfe von 3 Wendehämmern (siehe Integriertes Entwicklungskonzept 2008-20014 Lfd.Nr.6.2.1. Stand 14.5.2012) Und nun bekämen die Bewohner keine autofreie Piazza der Lebensfreude unter Bäumen. Statt dessen abgehackte 117 Bäume von denen im Entwicklungskonzept keine Rede war, noch mehr ungewollte Parkplätze vor einer nicht gewollten Einkaufsruine, zwei abgerissene Schulen mit ebenfalls abgerissenen anhängigen Kultur- und Freizeiteinrichtungen und dem coolsten Theatersaal Hamburgs, abgerissene Außenskulpturen auf der Mittelachse und eine abgerissene Brücke am See. Dieser Art der Aufwertungsmaßnahme von unfreundlichen Geistern interpretiert, mit der Axt modelliert und über ein hochglänzendes Behördenposition verbreitendes Reklameblättchen hysterisch selbstbejubelt, sei man abhold. Hier habe man ein buntes Karteikärtchen, man schreibe darauf in Zukunft seine Imageverbesserungvorschläge und Aufwertungsanregung für den Namen Kahlschlagstoppen.de nieder. Und dann hoffe man einfach, daß die Kahlschlagstopper genauso redlich damit verführen wie vorgemacht von den behördlich vorgesetzten Betreuern und Belehrern, Beratern und Bekehrern.

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Schön, modern, ökologisch und poetisch: .Aber woanders. Quelle: http://www.holland.com/de/tourist/artikel/van-gogh-roosegaarde-fahrradweg.htm

Freiraumästhetik der siebziger Jahre statt Wege in eine wünschenswerte Zukunft. Acht Jahre hat es gedauert bis qualifizierte Freiraumplaner aus Berlin herausfanden, daß u.a. zerbrochene und verkantete Gehwegplatten neu verlegt und Bänke aufgestellt werden müßten, um die „Aufenthaltsqualität“ in der Mittelachse zu verbessern. Die Außenwirkung sollte – ohne große Mehrkosten für Reinigung oder Pflege – sauber und adrett wirken. Dafür sollten Bäume zugunsten einer Sichtachse gefällt werden. Seit der ersten fröhlichen „Mitmachaktion mit bunten Karteikärtchen“ haben wir gefordert, daß der Fuß- und Radweg an den Straßenübergängen auf eine Ebene gebracht wird. Das haben wir bis letzten Monat noch angefragt. Uns wurde versichert, daß alles getan wird, was geht, aber Unmögliches nicht einfach durchgewunken werden kann. Wie soll man geistiger Schwerfälligkeit begegnen? Mit Kunst! Wenn in Steilshoop schon die ästhetische Revolution im Austausch einiger alter Gehwegplatten, dem Aufstellen von schmucken Bank-Papierkorb-Kombinationen und dem Schwingen der Ordnungsaxt (zum Nachteil von 117 Bäumen) ihren Gipfel erreicht hat, was würden die Behörden, die Wohnungswirtschaft und auch ProQuartier nur von uns denken, wenn wir sie darum gebeten hätten, uns die Sterne vom Himmel zu holen?

Woanders geht’s! Beiträge aus der Serie: Wege in eine wünschenswerte Zukunft.

Und gegen geistige und seelische Verdunklung helfen Kunst und ein schönes Lied. Don McLean hat sein „Starry night“ Vincent van Gogh gewidmet. Ein Maler, der gegen alle Widerstände angemalt hat und in der Natur -zwischen Bäumen- seine schönsten Motive fand. Seinem Bild „Sternennacht“ ist der Song gewidmet und auch der Radweg der Zukunft in Eindhoven.

 

Unsere frohe Botschaft. Kahlschlagstoppen zeigt Wirkung! Der Besucherstrom auf unserer Seite reißt nicht ab, im Gegenteil: immer mehr Menschen fühlen sich inspiriert und erfrischt durch ein wenig Widerstandsgeist den Herausforderungen im Stadtteil neu zu begegnen.

Und siehe, es zeigt sich, daß eine gewisse Lernfähigkeit bei den Entscheidungsträgern nicht in Abrede gestellt werden kann: ist doch das Schimmelbiotop an der Süd-Ostecke des EKZ plötzlich blitzeblank! Bei Gelegenheit zeigen wir ein schmuckes Foto. Dann haben wir vorher- guckst Du blog – nachher. Wir freuen uns, daß auch die Verantwortungsträger des EKZ zu unseren regelmäßigen Lesern gehören und beraten Sie gerne auch weiterhin.

Litfaßsäule

Freunde von Tugend und Ordnung haben es schon lange erkannt. Richtig ausgerichtet können Sichtachsen gestrauchelten Stadtteilen zu gradlinigerer Lebensführung verhelfen. Krumme Lebenswege und kurvige Erwerbsbiografien lassen sich durch schnurrgerade Tugendpfade –hier unser Steilshooper Model mit Handlauf- von einem Produktplacement sicher zum nächsten geleiten. Hier standen vor der Aufwertung durch die Busbeschleunigung ganz viele Bäume. Dreireihig, auf den Bürgersteigen und in der Mitte. Übrig ist nur die monumentale Litfaßsäule, die noch keinen Freiraumplaner in seinem ästhetischen Wohlgefühl irritiert hat. Lustig nur, daß man nicht weiß, wo man die angepriesenen Bio-Waren kaufen soll. In der Sparkasse, der Apotheke, dem Wettbüro oder der Spielhalle? aus der Serie: 32 berühmte Ansichten auf das Steilshooper EKZ

Weltverkehrsknotenpunkt Steilshoop. Wußten Sie schon, daß die europäischen Metropolen Kopenhagen und Riga verkehrsberuhigte Innenstadtbereiche vorweisen können? Und das man in der Fachliteratur dieses Konzept als zukunftsweisend betrachtet? Natürlich kann ein solcher Weltverkehrsknotenpunkt wie Steilshoop damit nicht verglichen werden. Hier ist es von besonderer Wichtigkeit und identitätsbildend, daß junge Autofreunde ihren Besitz stolz vorzeigen und wie im Zirkus immer rundherum im Kreis ums Einkaufszentrum kurven. Ein besonders orgiastischer Moment ist für sie das Einfahren in die Parkbucht. Schöner wäre es natürlich, wenn der Parkplatz wie ein großer elektrischer runder Poller, sich verheißungsvoll in die Höhe schrauben würde. Noch schöner mit rotem Samt bezogen sich langsam und blinkend im Kreise drehte. Ahh, aahhh…

Büdelsdorf

NordArt Büdelsdorf. Winni Schaak: Turnabout with five. 2000. Cortenstahl, geschweißt, gerostet, 5-teilig, H: 2,50 m

Reden wir weiter unverfänglich über Kunst. NordArt. Oh, was für ein wundervolles Kunstwerk von Winni Schaak. Auch dauerhaft und praktisch für jedes Wetter. Die 5 Stelen stehen auf einem verankerten Gewinde und drehen sich, wenn man ihnen einen kleinen Stups gibt. Es erinnert etwas an Gebetsmühlen in Bhutan. Das Drehen soll Glück bringen. Dabei entstehen unterschiedliche Ansichten, rechtwinklige Formen oder ein flaches Tableau oder eine Kombination davon. Wunderschön und meditativ. Genau das richtige z.B. für die Kreisverkehre. Die Form ist reduziert, schlicht und sehr harmonisch. Und erinnert irgendwie an Bäume. Wenn man ein bisschen drauf trommelt, kommen sehr schöne unterschiedliche Töne und die Oberfläche wird angenehm warm bei Sonneneinstrahlung. Ich wäre dafür es anzukaufen. Zumal wenn noch Geld übrig bleibt, das man einspart, wenn die Mittelachsenbäume nicht abgehackt werden. Man könnte sie auch genau in die Mittelachse stellen, genau in die Sichtachse, damit man nicht schon aus 5 Kilometer Entfernung auf das scheußliche Einkaufszentrum gucken muß. Sondern ein Ziel hat auf das man sich freuen kann, wenn man darauf zugeht.

Können Sie sich noch an die Drehskulptur an der Mittelachse, Borchertring erinnern? SwinkGfPa. (= Steilshoop wie immer: nur kein Geld für Pflege ausgeben). Dann kommt der Tag, wo Skulpturen verfallen, Schulen wegen Renovierungsbedürftigkeit abgerissen werden müssen, Bäume die seit 40 Jahren keine Pflegemaßnahmen erfahren haben, abgehackt werden sollen. Auch Wohnungsgesellschaften, die über Jahrzehnte einen Renovierungsbedarf herauszögerten, dürfen nun behaupten, nachdem sie sich an längst fällige Renovierungen herantasten, sie würden damit „den Stadtteil aufwerten“.

BaumTraume

Aus der Serie: Konrad. Gedichte und Gegendiche

 

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Erna Petersen auf dem großen 40- Jahre Steilshoop-Fest

„Ich will kein Kärtchen. Ich will das Mikrofon!“ sagte Erna auf der denkwürdigen tumultartigen Bürgermitmachinszenierung in der Mensa des Bildungszentrums, als der Rahmenplan-Nord vorgestellt und durchgesetzt wurde. Aufmarschiert waren an dem Tag bisher noch nie gesehene Mengen von engagierten Steilshooper Bürgern, was voraussehbar war. Sie alle wollten ihre Sport- und Tennisplätze erhalten, auch der See sollte unbebaut bleiben. Der durchzusetzende Deal: Die Schule am See (Borchertring) sollte als Tausch für dieses Premium-Grundstück für die Finanzierung des Abrisses des Bildungszentrums herhalten. Doch war der Wunsch vieler Bürger auch das BZ zumindest in weiten Teilen zu erhalten. Auch die Fällung der Bäume am Einkaufszentrum wurde dort von einem Herrn in Schwarz propagiert. Ich weiß noch wie ich dachte: Oh, Thema verfehlt, was kommt der jetzt auch noch damit an?… Um die aufmüpfigen Bewohner in Schach zu halten, waren Moderatoren in Kohortenstärke angekarrt worden. Karteikarten stapelten sich bis zur Decke. „Schreiben Sie ihre Kritik auf ein Kärtchen.“ „Schreiben Sie Ihre Kritik auf ein Kärtchen!“ flehten die Bürgeraufpasser im 3-Minutentakt in ihre Mikrofone und wedelten vor jedem aufgebrachten Bürger mit Stift und Karteikärtchen herum.

„Ich will kein Kärtchen. Ich will das Mikrofon!“ sagte Erna damals.  Und als sie es dann hatte, sprach sie darüber, daß sie schon seit Jahrzehnten ihre Meinung, Anregungen, Kritik in unzähligen solcher Veranstaltungen auf ungezählte Kärtchen geschrieben habe. „Und was ist daraus geworden? Nichts! Und das möchte ich jetzt auch mal sagen.“ sagte Erna. Wir werden sie nicht vergessen. Übrigens stand wenige Tage später in der Zeitung, daß mit großem Zuspruch der Bevölkerung ein Bürgerbeteiligungsverfahren initiiert, durchgeführt und abgeschlossen wurde.
Erna kennen gelernt zu haben war ein Gewinn. Sie war als Steilshooper Urgestein an den Stadtteilthemen „dran“. Sie engagierte sich in ihrer Nachbarschaft im Ring und in der Kultur AG. Sie war gerade heraus, herzlich und kameradschaftlich, humorvoll und liebte die Musik. Sie sprach Hamburger Snack und konnte so hervorragend unnachahmlich fragen: „Was meinen die eigentlich genau, wenn die sagen „Sie wollen Steilshoop aufwerten?“ Volltreffer Erna. Wir werden Dich sehr vermissen.

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Schlossstraße. Weiße Fahnen werden geschwenkt, Unterhändler reiten hin und her. Abgesandte feilschen um jeden Baum, bzw. jeden Parkplatz. Verkehrsberuhigung steht gegen Sichtachsen und Umfahrungen. Lächelnd bewegt man sich vorsichtig aufeinander zu. Vereinbart wird eine „Waffenruhe“ während der Verhandlungszeit. Die jeweiligen Kampfgenossen sollen innerhalb einer Frist stillhalten und sich nicht provozieren lassen. Gut. Reden wir über etwas Unverfängliches. Reden wir über Kunst.

Als wir jüngst in Büdelsdorf waren, sind wir auf die Nord Art gefahren…

In einer ehemaligen Eisengießerei, finden sich heute auf 22.000 Quadratmetern zeitgenössische Kunstwerke von 250 internationalen Künstlern. Die Hallen -beeindruckende Industriearchitektur- standen leer und wurden umgenutzt. (Steht nicht auch ein Einkaufszentrum in Steilshoop fast leer?) In den Außenanlagen, einem baumbestandenen Park, zur Hälfte übrigens Apfelbäume, werden auf 80.000 Quadratmetern monumentale Skulpturen ausgestellt. Die Nord Art wird zum 17. Mal durchgeführt und ist das Kunstevent Norddeutschlands. Angelegt als Verkaufsausstellung ist sie wichtiger Seismograph aktueller politischer und gesellschaftlicher Strömungen, die in die zeitgenössische Kunst einfließen. Hier formulieren Maler, Fotografen und Bildhauer Positionen, die globale Probleme widerspiegeln.

Der Mensch scheint verloren in einer Umgebung, die aus Müll, Bauruinen, Sichtachsen und Tristesse besteht. Umweltzerstörung, Entwurzelung und Raubbau an der Natur wird besonders auch von chinesischen Künstlern in vielfältiger Weise erlitten und zu Zeichen von staatlicher Gewalt verarbeitet.

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Detail aus dem Fotofries „Riverside Szenen am Qingming Festival“ des chinesischen Künstlers Dai Xiang, gezeigt auf der Nord Art. Als Zeichen von Fortschritt und Verbesserung werden gesunde Bäume gefällt. Abgestorbene Bäume stehen für Tod und Verwüstung.

Eine Metapher für die Entwurzelung des Menschen in einer für ihn verlorenen Welt, die nur nach zweckrationalen Regeln funktioniert, ist der Fotofries des chinesischen Künstlers Dai Xiang (geb 1978). Auf seinem 25-meterlangen Werk „“Eine Überarbeitung der Riverside Szenen am Qingming Festival“ von 2014 (Panorama-Fotografie) finden wir just das kritische Motiv des Baumfällens wieder. Wenn das Baumfällen noch bis ins 19.Jahrhundert ein Zeichen für Zivilisation, Maschinenkraft und Fortschritt durch Naturunterwerfung war, hat sich diese Deutung mittlerweile ikonografisch in ihr Gegenteil verschoben. Bagger, Kettensägen, Helme -hier nur unzureichende Stoffkappen-, Schutzbrillen und Ohrschützer kennzeichnen heutzutage tumbe Menschen, die ein desaströses Werk verrichten. Symbolisch wird so ausgedrückt, daß die Dargestellten weder hören noch sehen, weder fühlen noch verstehen. Sie tätigen die Arbeit des gedungenen Schergen, der nur seine Pflicht tut, beauftragt von höheren Beamten, die auf Weisung handeln. Das alles dient einem höheren Zweck. Welchem scheint auf dem Weg der Durchführung verloren gegangen zu sein.

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Detail aus dem Fotofries „Riverside Szenen am Qingming Festival“ des chinesischen Künstlers Dai Xiang, gezeigt auf der Nord Art. Das Ende vom Lied. Die Bäume sind gefällt, das Wasser für die restlichen Bäume abgegraben. Sie sind vertrocknet. Die Freiraumplaner beugen sich zufrieden über ihre Pläne. Dicke Autos parken vor armseligen Hütten. Endlich ist der Fortschritt und die Aufwertung da.

Diese Sichtweise hat sich mittlerweile auf dem Kunstmarkt auch global durchgesetzt. Die ehemaligen sozialistischen Helden der Arbeit werden heute als Jammergestalten gezeigt. Sie werden bezahlt für die von ihnen selbst durchgeführte Umweltzerstörung, die im nächsten Schritt ihre eigene Zerstörung bedeutet. Arbeitsplätze, egal welche, Wasserknappheit, Verpestung der Atemluft, Zerstörung von Natur, Bäumen und Lebensräumen wird als Wohltat verkauft. Diese „westlichen Lebensformen“ werden so hysterisch propagiert, daß die davon Betroffenen glauben, daß die hohen Kosten der Garant für spätere Lebensqualität seien. Globale kapitalistische Phänomene werden hier künstlerisch zu eindrucksvollen Gesten komprimiert und in ihrer Struktur offenbart. Aus Arbeit und Fortschritt wird durch Ignoranz und Gier Apokalypse. Nie war China so nah wie heute.

 

Sperrmüll

Jetzt versteht man endlich wofür das Einkaufszentrum so viele Parkplätze braucht. Ein guter Teil des Platzes wird mit Sperrmüll, Rohren, Sand und Müll dekoriert. Parkplätze, Müll, Umfahrung und Bäume gleichzeitig geht nicht. Klar, was weg muß… übrigens hat man hier nicht nur eine schöne blaue Sichtachse, sondern auch eine Steh-und Gehhilfe für diejenigen, die im gnädigen Zustand des „blau-seins“ den geraden Weg nach hause finden wollen. Vorausschauend etwas tiefer gelegt, wenn man in leicht gebeugtem Zustand, ein wenig schwankend immer rund ums Einkaufszentrum spazieren möchte… aus der Serie: 32 berühmte Ansichten auf das Steilshooper EKZ

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Einkaufszentrum Steilshoop heißt auch die Bushaltestelle nach dem Umbau zur Busbeschleunigung. Warum eigentlich? Die Bewohner, die wir zur Baumfällung befragt haben, fanden, daß nicht die Bäume, sondern das ekelige Aussehen, die fiesen Gerüche und der zunehmende Leerstand das Problem seien. Müssen die Bäume wirklich weg, damit man diese fertige Ruine besser bewundern kann? Die Bäume müssen weichen, damit Sichtachsen auf dieses „Gebäude“ zuführen können. Wer denkt sich sowas bloß aus? Doch niemand der wiedergewählt werden will?! aus der Serie: 32 berühmte Ansichten auf das Steilshooper EKZ

Die Ästhetik des Untergangs. Das marode abgewirtschaftete „Einkaufszentrum“ gilt Stadtplanern, Politikern und Behörden als Steilshoops „attraktive Mitte und Zentrum“. Keiner der hier lebt, kann das mehr verstehen. Die Schule, eine einmalige Reformarchitektur wird abgerissen und 117 Bäume sollen im Zentrum gefällt werden, um Sichtachsen auf diese Ruine zu richten. Ist es Unverstand, Hohn, Rechthaberei oder Ignoranz die den 18000 Bewohnern dieses verwahrloste Monstrum zumutet? EKZ für „Einkaufszentrum“ ist wohl nicht mehr ganz angemessen. Wacker hält sich hier eine letzte Handvoll Gewerbetreibende. Sie kommen einem vor wie Anwärter auf den Tapferkeitspreis „Helden des Untergangs der Titanic“; wie das Orchester, welches seinerzeit spielte bis der Ozeanriese sich ein letztes Mal im Meer aufbäumte und versank. Apropos aufbäumen…, das ist nur der Anfang.

Kulturtip: Kennen Sie die Baumbarts in der Trilogie „Herr der Ringe“ von J.R.R. Tolkien? Ein Muß für Baumfreunde! Sie waren immer friedlich bis man ihnen zuviel zugemutet hat. Da haben sie sich aufgebäumt!

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Irgendwie ist das EKZ auch ein bißchen Bio-Grün. Bäume sind bei gewissen Fraktionen mittlerweile megaout, Schimmelpilze dagegen ein Zeichen von Biodiversität. aus der Serie: 32 berühmte Ansichten auf das Steilshooper EKZ

 

Petrus ermöglicht Nahtoderfahrung in Steilshoop. Sintflutartige Regenfälle bescherten letzten Samstag den Steilshoopern ein besonderes Erlebnis, welches nur mit den spirituellen Glückserfahrungen von Nahtodpatienten zu vergleichen ist: einmal sehr kurz sehr glücklich sein! Nur ein einziges Mal die Mysterien Steilshoops sehen: das abrißgeweihte Schulzentrum für wenige euphorische Augenblicke im Rampenlicht und stadtteilgemeinschaftlicher Funktion erleben.

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Verregnetes Stadtteilfest: Gemütliche Beratung zum Erhalt der Bäume unter dem Regendach. Bäume schützen, Natur erhalten und auch den nachfolgenden Generationen die Luft zum Atmen gönnen

Jetzt heißt es Abschiednehmen von einer Bühnenarchitektur, die ihresgleichen sucht, von Multifunktionsräumen mit Teppichfläche, Außenanlagen in der Ausdehnung eines Dorfangers, in weiten Teilen überdacht, von offenen Türen, lichtdurchfluteten Fluren, von der exklusivsten Schularchitektur Hamburgs mit unzähligen bestens ausgestatteten Fach- und Freizeiträumen. Beim ersten Internationalen Stadtteilfest im Bildungszentrum, (errichtet 1971) das u.a. für diese Art der Bürgerzusammenkunft konzipiert wurde, feierten Beratungs- Belehrungs- und Bekehrungsgruppierungen ein fröhliches alkoholfreies Fest mit den Stadtteilbewohnern bis sie meinten an deren Horizont das Licht der Erleuchtung zu sehen… Im gleichen Moment (gefühlte Zeit im Zeitraffermodus) wurden sie auch schon von einer erzengelähnlichen Erscheinung flammenschwertschwenkend aufgefordert den magischen Ort der Aufklärung, Gemeinschaft und Sinnhaftigkeit zu verlassen. 18 Uhr und hinfort von der Insel der Seligen. Oh Schade oh Elend!! Zurückgestoßen in die kneipenlose Steilshooper Ödnis wurden die Verdammten dieses Stadtteils. Die nur kurzgeschauten elysischen Gefilde auch Campus Elysius genannt, werden wir nie vergessen! Glückseligkeit für internationale Alte und internationale Junge! Oh Glückstaumel inmitten von Würsten und Weisheiten, Ballwerfen und Bauchtanz, Torten und Tiraden, Singsang und Siegesgewißheit bei allen Protagonisten. Auch die fröhlichen Baumfreunde fanden Unterstützer und Unterschriftswillige.

Saal innen

Superaula mit Platz für 350 Besucher. Nach hinten und vorne kann der Raum erweitert werden. Doch wozu braucht Steilshoop solch ein Wunderwerk? Der gute Ruf des Stadtteils wird durch den Abriß dieser Schule verbessert, behaupten die Politiker

Die heitere Gemeinschaftsnutzung der Räumlichkeiten hinter dem Hochsicherheitszaun, der jedem G7-Gipfel zum Schutze gereichen würde, fand zum ersten und zum letzten mal statt. Schon sind die Bagger angerückt, um das todgeweihte Schulzentrum zu planieren und dann werden neue, konventionelle schulische Sparzwanggebäude an gleicher Stelle errichtet.

innen und außen

Bildungszentrum am Gropiusring 43. Vorne die Aula, hinten eine Freiluftbühne. Der Abriß dieses raffinierten Theaterbaus gilt als „Aufwertungsmaßnahme“ für den Stadtteil. Im Neubau ist keine spezielle Bühne vorgesehen. Bei der Architekturausschreibung wurde ein Erhalt zu keinem Zeitpunkt berücksichtigt.

Große Teile des Geländes wird die Stadt dann für schöner Wohnen am bisher unbebauten Bramfelder See verkaufen, wozu auch das Gelände der Schule am See Borchertring zählt. In Publikationen, die diesen Vorgang schon im Vorfeld feiern, findet man den Hinweis, daß der architektonische Kahlschlag dieser exklusiven großzügigen zeitlosen Architektur für den guten Ruf des Stadtteils ebenso von Vorteil sein wird, wie die Abholzung der 117 Bäume im Zentrum.

Von oben draußen

Staatsgeheimnis: hinter der Bühne in der Aula, öffnet sich ein Amphitheater auf grünem Hofgelände, so daß die Besucher je nach Wetterlage entscheiden, von wo aus sie auf die Bühne sehen wollen. Kahlschlag, weg damit. In der neuen Schule wird es so etwas nicht mehr geben.

 

Der Pressespiegel weitet sich etwas und damit auch die öffentliche Wahrnehmung. Da und dort kommen wir vor z.B. auch auf Altonaer-Manifest (etwas runterscrollen)
und in der MOPO mit einem putzigen Foto von unseren Freiraumplanern, seltsamerweise fast ganz ohne Straße. Mir scheint, da ist was durcheinander gegangen.(?) Selbst „Die Welt“ hat Platz für unseren Krawall.
Auf jeden Fall verdrängen wir im Ranking den Amoklauf des Todesschützen und tun so etwas für den „guten Ruf des Stadtteils“.
Intelligent und differenziert hat das Wochenblatt über unsere Aktion berichtet.

 

Beim Erläutern der Umstände zu unserem Bürgerbegehren traf ich auf sehr viele Aussagen, von denen ich gern ein paar wiederholen möchte, weil sie immer wieder auftraten. Dabei habe ich die recht zornig vorgebrachten nicht aufgeschrieben: 

Wie wunderbar, dass ihr euch kümmert, es wird Zeit, es werden viel zuviele Bäume in ganz Hamburg abgesägt. 

Komm, lass mich unterschreiben, ich habe schon auf euch gewartet! 

Aber so viele Bäume!!! Gesamt 117 Stück! Uns hat man erzählt es handele sich um 10!  

Dieser Umfang war uns nicht bekannt – durch eure Kennzeichnung mittels Kreuze und rotem Band ist es mir erst bewusst geworden: um das EKW (Einkaufswüste) ist ja gar nichts mehr grün! Nur noch schlechte Fassade! 

Uns war doch ein Marktplatz ohne Verkehr mit Marktständen versprochen worden! Nun also doch Umfahrung und keine Marktstände! 

Danke, dass ihr eure Zeit opfert. 

Bitte gib mir noch Unterschriftszettel, meine Nachbarn möchten auch unterschreiben. 

Überall wird für ein gutes Ökosystem mit Bäumen und Büschen plädiert – wo leben denn die Wandsbeker Politiker, dass sie die Bäume fällen wollen? 

Was für schlechte Planer, die es nicht hinbekommen: einen Marktplatz und Bäume! 

Vielen, vielen Dank für euer Bürgerbegehren – ich wünsche euch Erfolg! 

Aushang am Stadtteilbüro? Wo? Habe ich nicht gesehen, gehe ich nicht vorbei, dort ist doch auch nicht weiter … 

Danke für die Erläuterungen an Hand des Planes, so habe ich es nicht verstanden; ich dachte, es sind im gesamten Stadtteil ein paar Bäume. Aber hier im Zentrum! 117 Stück!!! 

Der Baum in unserem Garten durfte nicht gefällt werden und hier macht man alle platt.  

Mir wurde sogar vorgeschrieben, welche Nachpflanzung bis wann zu geschehen hat und wieso darf die SAGA einfach so viele Bäume auf einen Schlag ihrem Grund fällen? Wer bezahlt das?      

           Hoffentlich hat das Bürgerbegehren ERFOLG!    

Die fast nur positive Reaktion aus der Bevölkerung – nicht nur aus Steilshoop – zeigt, dass wir mit unserem Bürgerbegehren richtig liegen!.  

 

Ökologisches Bewußtsein in Steilshoop. Wer kann es einem Stadtteil verdenken, der in der kollektiven Wahrnehmung der meisten Hamburger als „Betonburg“ imaginiert wird, seine über Jahrzehnte sorgsam gehegten Bäume behalten zu wollen? Seit Jahren gibt es ein gesellschaftliches Umdenken zur Nachhaltigkeit und ökologischem Bewußtsein. Aufklärung und Bildung sollen zu einer besseren Natur- und Selbstwahrnehmung führen. Unser Stadtteil, der von den „Fortschrittspredigern“ niedergeholzt werden soll, ist dabei, sich vom „betreuten randständigen Stadtteil“ zur emanzipierten Peripherie zu wandeln. Wir tun das Beste für uns und unsere Zukunft –übrigens auch für unseren guten Ruf- Bäume zu erhalten, die man nicht mal ebenso kaufen kann, wie die guten Ratschläge der Fachleute.
Eine sehr aktuelle Sicht auf unser Ökosystem, gibt Peter Wohlleben, Autor des Buches „Das geheime Leben der Bäume“ https://www.youtube.com/watch?v=NrdvSiAGBwU&feature=youtu.be
Deswegen können wir als gebildete und bewußte Steilshooper umdenken, im Gegensatz zu denen, die behaupten „Was vor acht Jahren richtig war, kann heute nicht falsch sein“.

Vom Umgang mit Bäumen in anderen Ländern und Kulturen
aus der Serie: lokal handeln, global denken:
Wie halten es die Australier mit den Bäumen?
http://www.heise.de/tp/artikel/45/45446/1.html
Auch wir haben bei unserem „Stimmenfang“ mitbekommen, daß es ein Kommunikationsbedürfnis bei unseren Mitbürgern und Nachbarn gibt, welches sicher seinen guten Weg finden würde, wenn Bäume auf nettem verkehrsberuhigtem Platz stünden. Ob nun jeder Baum seine eigene e-mail -Adresse haben muß, sei mal dahingestellt. Aber Baumpaten finden wir gut

Liebe Steilshooperinnen und Steilshooper,
die meisten werden es sicher über Zeitung, Radio oder Fernsehen erfahren haben: Die Initiative „Kahlschlag stoppen! Für eine grüne Steilshooper Mitte“ hat am gestrigen Nachmittag ihre bisher gesammelten Unterschriften für ein Bürgerbegehren gegen die Fällung von Bäumen auf öffentlichem Grund im Steilshooper Zentrum im Bezirksamt übergeben.
In nicht einmal drei Wochen sind 3.114 Unterschriften zusammen gekommen.
Selbst wenn man davon ausgeht, dass der ein oder andere Name bei der Prüfung gestrichen werden muss, etwa weil die Person im Bezirk Wandsbek nicht wahlberechtigt ist, so kann man doch sicher sein, dass das Quorum von einem Drittel der Unterschriften (2.212), das notwendig ist, um die Maßnahme vorläufig zu stoppen, deutlich überschritten worden ist. Gestern erreichte mich auch ein Anruf des zuständigen Dezernenten Frank Schwippert, dass die Prüfung der Anzeige unseres Bürgerbegehrens ergeben habe, dass es sich mitnichten um eine Senatsangelegenheit handeln würde, sondern um eine des Bezirks. Die Initiative hat somit nun bis zum 17. Februar Zeit, die restlichen Unterschriften – benötigt werden 6.636 – zu sammeln, ohne dass durch Baumfällungen vollendete Tatsachen geschaffen werden.
Für uns Sammlerinnen und Sammler waren die Gespräche mit den Steilshooperinnen und Steilshoopern fast noch befriedigender als die hohe Zahl von gesammelten Unterschriften. Uns wurde immer wieder bestätigt, dass wir im Sinne des Stadtteils handeln würden, wenn wir uns um unserMarkenzeichen, nämlich das üppige Grün sorgen. Mich hat vor allem überrascht, wie viele Menschen uns um Unterschriftenlisten gebeten haben, damit sie auch in ihrer Hausgemeinschaft die Nachbarinnen und Nachbarn zu einem Votum gegen den Kahlschlag auffordern können.
Berührend waren vor allem die Gespräche mit älteren Menschen, welche noch das Steilshoop mit den unverwachsenen Sichtachsen kannten, aus der Zeit also, als die Bäume noch Bäumchen waren. Sie haben erlebt, wie Jahr für Jahr die zum Teil brutale Architektur eine immer engere Symbiose mit der Natur einging, bis das eigentlich liebenswerte Quartier entstanden ist. Für sie war es absolut unverständlich, dass eine über vierzigjährige Entwicklung an einem Vormittag mittels einiger Kettensägen ausgelöscht werden sollte.
Es mag ein Zufall sein – aber ich habe in den etlichen Stunden, welche ich  sammelnd vor dem Einkaufszentrum, an den Bushaltestellen, vor der Sparkasse  gestanden habe, nur zwei Leute getroffen, welche dezidiert die Position der  Bezirksverwaltung verteidigt haben, dass die Sichtachsen wieder frei gelegt werden müssen. Es gab auch kaum jemanden, der sich vorstellen konnte, dass in einer einigermaßen absehbaren Zeit in Steilshoop ein Markt mit einem derartigen Flächenbedarf entstehen könne.
Einigkeit bestand bei allen Angesprochenen aber darüber, dass im Zentrum etwas geschehen müsse, dass der Verfall nicht mehr hinnehmbare Dimensionen angenommen habe. Vielleicht ist das eine ganz gute Ausgangsbasis. Die Verantwortlichen hätten natürlich schon im Februar im Zusammenhang mit den damals verhinderten   Baumfällungen erkennen können, dass ihr Konzept in Steilshoop nicht die Zustimmung der Menschen findet, welche sich Tag für Tag auf ihrem herrlich aufgeräumten Platz aufhalten müssen. Dennoch haben sie – sieht man einmal von dem architekturhistorischen Oberseminar am 30. Juni in den Räumen der Martin-Luther-King-Gemeinde ab – sich jedem zielorientierten Gespräch verweigert, während die Gegner ihres Konzepts immer wieder betont haben, dass es nicht ihre Absicht sei, sich einer Neugestaltung des Zentrums entgegen zu stellen.
Mit der Einleitung eines Bürgerentscheides, mit dem Erreichen des   Drittelquorums sind aber neue Tatsachen geschaffen worden, welche der Initiative die Hoffnung geben, endlich die Blockadesituation zu überwinden und gemeinsam im Dialog eine wirklich gute Lösung für unser Steilshooper Zentrum zu entwickeln. Es ist sicher ein gutes Zeichen, dass erste Gesprächsangebote der Mehrheitsfraktionen in der Bezirksversammlung vorliegen.  Allerdings hat uns auch die Vehemenz, mit der das Projekt gegen den Widerstand der Steilshooperinnen und Steilshooper durchgesetzt werden sollte, etwas verstört, so dass wir auch weiter Unterschriften für unser   Bürgerbegehren sammeln werden. Deswegen hier noch einmal der Hinweis an alle, die uns unterstützen möchten: Nach wie vor liegen ausreichend Unterschriftenlisten im JETZT bereit. Selbstverständlich werden wir auf dem Internationalen Stadtteilfest vertreten sein, um weiter für unser Anliegen zu werben.

In der Hoffnung dort Euch alle zu sehen grüßt

Martin Kersting

 

BERGFEST!  Die erste Etappe ist geschafft!

smaragdgrün, blattgrün, amazonasgrün, steilshoopergrün, aufbruchsgrün
Liebe Helfer, Ihr Anonymen und Ungenannten, Aktivisten, Sympatisanten, Dunkelmänner und Dunkelfrauen, Drahtzieher und Frontmänner, Spontis und Übergelaufene! WIR DANKEN EUCH! Für Euren Sachverstand, Eure Professionalität, Eure Spontanität, Eure Besonnenheit, Euren Mut, Euer Engagement, Eure Euros, Eure Verschwiegenheit, Eure Bescheidenheit und Eure Liebe zu den Bäumen!
Jetzt machen wir zusammen Party!
platanengrün, waldgrün, chromdioxidgrün, kleegrün, löwenzahngrün, efeugrün

Jetzt ist Zeit für ein schönes Lied:

Baumhymne

Der Fachmann spricht,
Der Baum muss ab,
Der Baum muss weg,
Der Baum stört und hat keinen Zweck,
der Baum muss weg.

Der Baum muß weg?
Der Vogel hat dann kein Versteck,
Der Baum bleibt stehn,
Fachmann muss gehn
Wir sagen Dir Auf Wiedersehn.

Der Baum bleibt hier,
Er ist zu schön,
Ihn wollen wir jeden Tag hier sehn.
Der Vogel singt,
Die Biene lacht,
Die Unterschrift, die hats gebracht.

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Jubel, Jauchzen und Frohlocken! Die Baumfreunde im Rathaus Wandsbek haben ihre Ordner mit Unterschriften mitgebracht. In drei rekordverdächtigen Wochen waren sie bei Wind und Wetter ausgeschwärmt und sammelten Unterschriften für ein Bürgerbegehren zum Erhalt der Bäume.

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Pressetermin mit 2 Fernsehsendern: Die Verantwortlichzeichnenden für das Bürgerbegehren haben dem zuständigen Amtsvertreter stolz und glücklich die Unterschriftenlisten übergeben.! Die herzliche Solidarität in Steilshoop und dem gesamten Bezirk Wandsbek war nicht voraus zu sehen. So viel Ermutigung, Lob und Unterschriften lassen unsere „Frontmänner“ optimistisch strahlen. Steilshoops Zukunft könnte baumgrün sein. Die Kettensägenknechte sind für’s erste verhindert! Die Fällsaison, die am 1. Oktober beginnt, wird nicht, wie von Fachleuten geplant, in Steilshoop fortgesetzt. Hamburg 1 und der NDR halten die Sensation fest.

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Nun ist es amtlich: 3114 Unterschriften sind eingereicht. 2212 davon müssen gültig sein, damit unsere Sammelaktion aufschiebende Wirkung hat. Ein bißchen Schwund ist immer, aber viele Anwohner aus dem Schreyerring, Gropiusring und Fehlinghöhe sind keine EU-Bürger. Auch sie fürchten sich vor dem Baumkahlschlag und wollen ihre Solidarität mit den Stimmensammlern ausdrücken und weiterhin in einem Stadtteil mit guter Luft und schönen Bäumen wohnen.Sie haben aber politisch auch auf Lokalebene noch immer kein Stimmrecht. Wir Nachbarn wollen uns aber dadurch nicht auseinander dividieren lassen. Ach! und obwohl viele direkt neben der Informationsbude des Stadtteilbüros wohnen, sind sie erst von uns über die bevorstehenden Fällungen informiert worden. „Bürgerbeteiligung“ ist schon ein ziemlich großes Wort. Für uns war es ein Kraftakt, aber jetzt kennen wir uns und helfen wir uns.

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Schreyerring. Insgesamt sollen 52 Bäume auf öffentlichem Grund und 65 auf privatem Grund gefällt werden. Eine Größendimension, die einen enormen Eingriff in das Stadtbild bedeutet. Vor den negativen Konsequenzen warnen Bewohner und Fachleute für Ökologie wie der NABU. Die ursprüngliche Planung sah einen verkehrsberuhigten Platz vor. Doch der Besitzer des Einkaufszentrums setzte sich durch. Er bestand auf einer Umfahrung. Sein Wort wiegt schwerer als das eines ganzen Stadtteils. Nun bekommt Steilshoop 1. weder einen verkehrsberuhigten Platz 2.werden die Bäume gefällt, was so nicht mit den Bewohnern abgemacht war und die Bürger nicht wollen 3. werden wir gezwungen schon aus Kilometerentfernung diese marode Ruine zu bewundern, die fast leersteht und 4. sollen wir zu „Jubelsteilshoopern“ umerzogen werden, die die Fachkompetenz der Experten nicht in Frage stellen sollen

 

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Selbst der beste Verbraucher weiß einfach nicht mehr , wie er im EKZ Teil der Wertschöpfungskette werden soll. Es ist zum Bäumeausreißen. aus der Serie: 32 berühmte Ansichten auf das Steilshooper EKZ

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Nicht nur auf öffentlichem Grund sollen Bäume gefällt werden, auch private Wohnungsgesellschaften freuen sich auf hübsche unbebaumte Wege schnurstracks auf das marode Einkaufszentrum zu. Wer findet bloß diese uns aufgezwungene „Mitte“ so erstrebenswert, daß man sie schon vom Bramfelder See aus sehen soll? Absolutismus als Zukunftsvision oder moderne Form der Bürgerverachtung?

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Trotz der acht jahrelangen Planungs-und Informationsphase weiß kaum ein Anwohner etwas von den bezirklichen Umgestaltungsmaßmahmen.

Ganz lange nichts und dann mit der Axt. Nach über 2000 Gesprächen, die die Baumaktivisten geführt haben, ist klar erkennbar: der Stadtteil will seine Bäume erhalten! Und weiterhin regelmäßige Baumpflege mitsamt der Baumscheibe und des Umfeldes. Und damit nichts anderes, als was anderen Stadtteilen auch zusteht. Und wenn die Bezirksverwaltung das nicht einlösen kann oder will, darf es nicht sein, daß die Verantwortung nur allein mit den Wohnungsgesellschaften im geschlossenen Zirkel verhandelt wird, wie etwa beim HID. denn diese wollen sich so schnell es geht allen Pflegeaufwandes entledigen: weg mit den Bäumen, weniger Pflege, weniger Kosten und Schluß. Die von den Maßnahmen betroffenen Bürger werden von den Vorhaben nur in Kenntnis gesetzt. Das nennt man Bürgerbeteiligung. (Verwiesen sei dabei auf ein höchst lesenswertes Buch. Der Autor Thomas Wagner „Die Mitmachfalle. Bürgerbeteiligung als Herrschaftsinstrument“) Daher müssen neue Formen der Bewohnerverantwortung und -mitbestimmung entwickelt werden. Auch Nichtbesitzer von Immobilien  und das ist hier der größte Teil der Bewohnerschaft, haben ein vitales Interesse an einem grünen, sauberen und ökologisch lebendigen Umfeld. Eine Bewohnerin erzählte, daß der Kahlschlag in der Fehlinghöhe nicht nur die Bäume beträfe, sondern z.B. auch die völlige Entfernung des Efeus in einem Innenhof. Am schlimmsten, sagte sie, sei es für all die Tiere gewesen, die ganzeTage danach regelrecht geschrien hätten. Die Vögel und sogar ihre Katze. Aber das sei eben typisch für den Umgang der Verantwortlichen mit dem Stadtteil. Ganz lange nichts machen, aber dann mit der Axt.

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Fürwahr eine ökologische Nische. Wenn schon keine Bäume um das EKZ, dann vielleicht eine Art „Nachpflanzung “ auf dem Parkdeck. Greenroof ist der letzte Schrei. aus der Serie: 32 berühmte Ansichten auf das Steilshooper EKZ

Und dieser Umgang der Stadt bzw ihrer bevorzugten Gesprächspartner mit den Bewohnern läßt sich an nahezu jeder anderen Stelle ebenso ausmachen. Erst setzt man auf die Langmut der Bewohner und überschreitet dabei langsam die Toleranzgrenze. Dann wenn Pflegemißstände unübersehbar werden und es Beschwerden hagelt, ist es plötzlich ein “niedrigschwelliger Stadteil“. Dann lassen die Verantwortlichen “Hilfe” von außen anreisen. Es rücken dann Bataillone von Moderatoren jeglicher Firmen an, bewaffnet mit den bürgerzornschluckenden bunten Karteikärtchen. Nach diesen Showveranstaltungen “Jeder darf seine Kritik auf ein Kärtchen schreiben”, werden dann “Fachleute” engagiert. Diese verhelfen dem zu pflegenden Gegenstand zu einem neuen Dasein durch eine Transformation in neue Besitzverhältnisse. Von öffentlichem Besitz durch Pflegeanspruch der Bürger selbst iniziiert in private Hand. Dann kommen wiederholt die Moderatoren, um uns davon zu überzeugen, daß das unser Wunsch war. Dazwischen behauptet man einfach es sei kein Geld da. Nicht für die Fußwege, noch für die Radwege, noch Baumpflege. Da die Steilshooper eher nicht so wohlhabend sind, ist das ein Argument, das sie gleich -und damit viel zu schnell- glauben zu verstehen.

Die Genossen haben jahrzehntelang daran gearbeitet aus Steilshooper Bürgern, Selbstzensoren zu machen. Ob man nun von der Baumpflege redet, von der U-Bahn, Rosenbeeten, Umbaumaßnahmen der alten Gesamtschule, eine Erneuerung der Brücke am See, Gestaltung eines kleinen Kreisverkehrs – alles für die Armen zu teuer. Wenn der Ruf nach Pflege, Reform, Renovierung auftaucht, ist bis jetzt noch alles gegen sie verwendet worden.

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Vögel leben in Bäumen. Ohne Bäume keine Vögel. Ohne Vögel weniger Pflegeaufwand. Alles wird dadurch viel günstiger. Und am günstigsten lebt man in Steilshoop, weil es hier nicht mal mehr Geschäfte zum Geldausgeben gibt. Eine Antikaufoase mitten in Hamburg. Pleitegeier als Wahrzeichen. aus der Serie: 32 berühmte Ansichten auf das Steilshooper EKZ

Statt die Bäume zu pflegen, werden sie abgehackt, statt die vor 40 Jahren versprochene U-Bahn hier zu bauen, wird sie für hier zu teuer, für die Hafencity aber als angemessen durchgesetzt. Als vor Jahren angemahnt wurde das Rosenbeet in der Mittelachse-Ost, schräg gegenüber der Apotheke zu entkrauten, wurden die Rosen ausgerissen, das Beet planiert, Rasenödnis gesät. Das ist die Strafe, wenn Bewohner Ansprüche stellen. Es waren übrigens die tapfersten Rosen, die man sich vorstellen kann. Sie blühten wacker und unverdrossen ab Juni zwischen Diesteln, Brennesseln und Gestrüpp bis weit in den Dezember. Als angemahnt wurde die Schule zu modernisieren, quittierte der zuständige Schulsenator diese Forderung mit Abriss. Statt das Bildungszentrum umzubauen und neuen Nutzerkreisen zu erschließen und Bürgerengagement und Selbstverwaltung zu wagen, wird sie nun abgerissen, um die freiwerdenen Grundstücke am See in Premiumlage zu veräußern. Das formelhafte Mantra, das dazu ohne Scham abgeleiert wird lautet ”Es ist verbrannte Erde”, weil es in den 90er Jahren Vandalismus gab. Wer weiß denn schon, daß sich darin ein Architekturjuwel befindet: ein gespiegeltes Amphitheater-einmal wettergeschützt von innen, dann dahinter eine steinerne Freilichtarena mit Blick auf die gleiche Bühne. Alles in guten bis renovierungsbedürftigem Zustand. Ein Ort für alle. Schule und Betreuungszentrum sollen zwar wieder neu gebaut werden, aber mit viel weniger Platz als jetzt und dem Hinweis, das die zukünftige Nutzung kostenpflichtig sein wird. Freut Euch doch, rief der Abgeordnete in der Sitzung als sein Bezirksamtsleiter nicht verstehen konnte, warum die Segnung im Stadtteil so schlecht ankam. Als gefordert wurde die Kunstwerke in der Mittelachse zu überholen, war die Folge davon der Abriß des kleinen Amphitheaters am Borchertring. Jetzt wünsche ich mir nur, das das Einkaufszentrum modernisiert wird. Mal schauen, wann die Abrißbirne vorfährt.

Gedichte

Aus der Serie: Konrad. Gedichte und Gegendiche

Steilshoop. Ein Stadtteil muckt auf!

Wir freuen uns sehr, daß der NABU Hamburg unsere Bemühungen um den Erhalt der Bäume so deutlich und unmißverständlich unterstützt!  Der NABU macht sich seit Jahren um die Lebensqualität dieses Stadtteils verdient. Dazu gehören ökologische Rundgänge um den Bramfelder See, wie auch die Renaturierung der Seebek. Die Zusammenhänge der verschiedenen Lebensräume in Erde, Bodendeckern, Gebüsch und Baumkronen werden erklärt. Eisvogel und Fledermäuse, Reiher und Igel als tierische Natur-Mitbewohner vorgestellt. Aus ästhetischen Gründen und Gründen der besseren Übersicht werden in Zukunft Rollrasenhügel und schnurgerade Baumachsen das Bild des Stadtteils bestimmen und  „schön übersichtlich machen“.  Vielgestaltigkeit, Wildwuchs, Biodiversität, Blumen statt Beton? Alles nur Unordnung für Planer. Und das heutzutage wo jeder attraktive Stadtteil nach „urban gardening Flächen“ schreit. Nur für Steilshoop gilt, was vor acht Jahren für die Planer richtig war, kann heute nicht falsch sein.

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Krimikulisse für Gruselfilme. Ein kaum belegtes Parkhaus mit Parkdeck. Und trotzdem sollen Parkplätze vor dem EKZ erhalten werden, weil entgegen der ursprünglichen Planung eine Umfahrung vorgesehen ist.  aus der Serie: 32 berühmte Ansichten auf das Steilshooper EKZ

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Aktivisten markieren die Bäume. Dies wurde von den Bürgern seit langer Zeit von den Verantwortlichen immer wieder eingefordert, zuletzt auf der Stadtteilbeiratssitzung. Auch immer wieder versprochen. Nie durchgeführt.

Die lang ersehnte Markt- und Eventfläche ist eröffnet! Das erste „Event“ ist ein Bewohner-Happening, eine Mischung aus minimalistischer Zeichensetzung im öffentlichen Raum am Baum und Publikumsbefragung. Eine Gruppe Baumaktivisten markiert mit blutroten Holzkreuzen die inkriminierten Bäume. Passanten bleiben stehen, stellen Fragen, der Fällplan wird vorgezeigt, die Lesebrille hervorgekramt. Die Dreipunktschrift der Bildlegende ist für die meisten kaum zu dechiffrieren. Ungläubigkeit auf allen Gesichtern. Wieso die Bäume fällen? Dahinter liegt doch das Problem. In allen Sprachen wird diskutiert, auch geschimpft, teilweise radebrechend, teilweise in international verständlichen Gesten. Von achtjähriger Aufklärung keine Spur, nahezu keiner weiß Bescheid! Von dem Schrecken über die Anzahl der beabsichtigen Fällungen, durch die roten Signale plötzlich sichtbar, ganz zu schweigen. Was haben die Anwohner „falsch gemacht“, daß sie nichts „mitgekriegt“ haben? Der Plan hing doch am Stadtteilbüro und im Einkaufszentrum? „Und jeder der es wissen wollte, hätte doch…“ leiert an dieser Stelle immer die Gruppe der Verantwortlichen. Es war ein unglaubliches Erlebnis mit so vielen Menschen direkt vor ihrer Haustür über das zu sprechen, was sich demnächst dort abspielen soll. Es waren ernsthafte und philosophische Gespräche, Schimpfkanonaden und handfest angedrohter Widerstand, blankes Entsetzen und Fassungslosigkeit und Unterstützung. „Ihr gut machen“, sagte die alte Frau in zwar nicht ganz poliertem Hochdeutsch, dafür aber von Herzen. Übrigens: Nur EU-Bürger dürfen Unterschriften für ein Bürgerbegehren leisten, aber Meinungen und Gefühle haben auch all die anderen langjährigen Bewohner.
Und deswegen finden wir, daß der schöne Platz, nachdem sich hier alle so sehnen, durch diese Aktion ins Leben gerufen wurde. Ein guter Platz ist der Ort, an dem Menschen füreinander stehen bleiben, sich ansehen, sich mitteilen, gemeinsam lachen, zusammen schimpfen und versuchen sich gegenseitig die Welt zu erklären und ihre Verrücktheit zu deuten. Das ist für uns Markt, berührend und bewegend. Die Gespräche klingen noch lange nach, es ist exotisch mit wildfremden Menschen über die Vorstellung vom Leben, von der Natur und den Bäumen unmittelbar vor ihrer Haustür zu sprechen. Designerbänke hat übrigens niemand erwähnt, war wohl nicht so wichtig.

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Schreyerring. Schöner Leben in Steilshoop. Aufwertungsmaßnahme des Bezirks: Das Leben könnte so schön sein zwischen Mülltonnen, parkenden Autos und Stromkästen, wenn bloß diese Bäume nicht wären.

Übrigens geht es uns nicht nur um die Bäume direkt vor der eigenen Nase. Unsere Initiative spendet drei Bäume für die „Schutzgemeinschaft Deutscher Wald“, mit denen wir uns in Sympathie und Unterstützung verbunden fühlen.

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EKZ Steilshoop auch Schloß genannt. Nichts soll von der Schönheit der Architektur ablenken. Bäume bitte klein halten. Hier die Bonsai Orangerie. aus der Serie: 32 berühmte Ansichten auf das Steilshooper EKZ. Frei nach Hiroshige

Sichtachsen, so stellte sich nach verschiedenen anderen und wieder verworfenen Gründen heraus, Sichtachsen seien der letztliche Grund für die „Flurbereinigung“ und „Entrümpelung“ der Steilshooper Mitte. Im Klartext: das Fällen der Bäume ist ästhetisch begründet, es geht um Schönheit. Schön und gut , aber Schönheit!?

Seltsam. Bei Wikipedia finden wir:

„Eine Sichtachse ist im Städtebau und in der Park- und Landschaftsgestaltung eine angelegte oder freigehaltene Schneise, die entlang einer Achse einen Blick auf bedeutende Bauwerke bzw. landschaftsprägende Elemente ermöglicht. Sichtachsen können dabei gleichzeitig die Wegverbindung zum Objekt sein, wie dies in barocken Anlagen üblich ist (Beispiel Karlsruhe), oder aber die reine Sichtverbindung ohne Wegverbindung sein, wie dies im englisch geprägten Gartenbau bevorzugt wurde (Beispiel Wörlitz). Häufig endet eine Sichtachse in einem Point de vue als visuelles Ziel.“

Als besonders bemerkenswertes Beispiel wird dabei Karlsruhe erwähnt. „Durch die fächerförmige Anordnung bilden zahlreiche Straßen eine Sichtachse aufs Schloß. Man nennt dies auch einen Sichtenfächer.“

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Der Karlsruher Fächer. Vorbild für die Sichtachsen auf das Einkaufszentrum?

Es folgt die Aufzählung der schönsten Schlösser Deutschlands. Wow. Wir lernen: Sichtachsen betonen das Bedeutende. Nun ist im Barock das Bedeutende auch das Ausbeutende. Alle Arbeitsleistung, alles Gold, alle Pracht, Macht und Herrlichkeit hatte nur das Ziel den Schloßherrn, den König mangels anderer Legitimation aufzuwerten, zu entrücken, durch Schloß und Park zu schützen, feudale Hierarchie zu festigen und Herrschaftsatmosphäre zu verbreiten.

Kirche, Kunst, Materialität, Achsensymmetrie und ein abhängiger Hofstaat schützten und nützten allein dem Thron. Einschüchterung durch subjektiv empfundene Kleinheit der Untertanen war gewollt. Psychologisch wurde so ein Ohnmachtsgefühl gesteigert. Ab dem ersten Schritt auf der Schichtachsengerade sollte nichts anderes das Denken und Fühlen der Untertanen bewegen, als die unendliche Wichtigkeit der Majestät im Schloß. Kilometerweit war nichts anderes zu sehen, nichts verstellte den Blick, nichts lenkte die Sinne ab, nichts anderes durfte Aufmerksamkeit der Kunden, äh, Untertanen herausfordern, als nur das Staunen zwischen Angst und Entzücken.

Fürwahr eine erstrebenswerte Situation für jedes Einkaufszentrum heutzutage.

Vielleicht haben die Steilshooper wirklich Glück gehabt und sind durch die unermüdlichen Verhandlungen der Grünen Fraktion um den Steilshooper Fächer herumgekommen, wie kolportiert wird.

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Vom Sehnsuchtsort zu Dantes Vorhölle. Nun, wo unsere Bürgerinitiative aktiv geworden ist, ist das Heulen und Zähneknirschen unserer Bezirkspolitiker und ihrer Lobbyisten laut vernehmlich. Vorwürfe sollen uns erweichen. Einzelne wurden schon „in die Mangel“ genommen. „Warum kommt ihr jetzt erst mit Eurer Kritik? Haben wir Euch nicht immer gut informiert? Durftet Ihr nicht immer Eure Vorschläge auf kleine bunte Kärtchen schreiben? Haben unsere Moderatoren sie nicht immer mit farbigen Stecknadeln an die Styroportafel gepinnt und abfotografiert? Und sie in wichtig und unwichtig unterteilt? Oh, Ihr Undankbaren!“

Die Einigung, die wir glaubten damals auf den Weg gebracht zu haben, war die Vorstellung von einem schönen, attraktiven, verkehrsberuhigten Marktplatz, der zum Bummeln einlädt, wo man Bekannte trifft, gastronomische Freuden erfährt, Zeitung oder e-mail liest. Man hört den Gesang der Vögel in den Bäumen, man erfreut sich an den üppigen Blumenbeeten und ach – man atmet durch und ist Mensch. Kurzum ein Ort, auf den man sich freut, ein erweitertes Zuhause, das was die Soziologen „third place“ nennen. Also weder die Wohnung, noch die Arbeit, sondern der Ort der öffentlichen Zusammenkunft. Zukunftsinstitute nennen es „Wohnlandschaft“. Der angenehme Platz, wo man hingeht, wenn man nicht allein, sondern in bester Gesellschaft sein will oder Leute kennen lernen möchte. Ein Ort, der einen Menschen der nachbarschaftlichen Gemeinschaft und des Soziallebens versichert. Oder wo man alleine hingeht ohne sich einsam und verloren fühlen zu müssen. (Also das was in Alsterdorf, Volksdorf, Ottensen und vielen anderen Stadtteilen ganz selbstverständlich ist.) Dieser Sehnsuchtsort, so wird uns nun eingeredet, wird für uns viel schöner und übersichtlicher sein, wenn es dort fast keine Bäume mehr gibt, rundherum der Autoverkehr tost und für das angemessene „urbane feeling“ sorgt und eine Parknische direkt neben dem Bistrotisch für „schöner parken“ bereitsteht. Ach und – für unser ästhetisches Wohlgefühl – wie im Zeitalter der Romantik eine Architekturruine uns an die Endlichkeit allen Seins gemahnt. Bedenke, daß Du sterblich bist Oh Steilshooper, einst war auch dies ein stolzer Einkaufstempel, gefüllt mit schnödem Tand und Eitelkeiten. So trete nun ein und lasse alle Hoffnung fahren.

Auch heute wieder wurde uns diese Vision der modernen Vorhölle für den gemeinen Steilshooper als ausreichend und erstrebenswert geschildert. An unserem Informationsstand auf dem lustigen Volksdorfer Stadtfest zischelte ein Fraktionsmitglied die mittlerweile schon stereotype Drohung „Da kriegt Ihr eben gar kein Geld mehr für Verschönerungsmaßnahmen in Eurem Stadtteil!“

Drohung oder frohe Botschaft!? Nicht jedes Sonderangebot ist ein Schnäppchen!

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EKZ. Der letzte Discounter versüßt uns den Abschied von den Bäumen. Was es draußen bald nicht mehr geben soll – Blätterzauber – hier drin in der kalorienhaltigen Version

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Die Bürgerinitiative frohgemut zu Gast in Volksdorf. Nette Leute, Supergespräche, tolle Bäume!

Die Volksdorfer waren übrigens grandios in ihrer Solidarität und leisteten nicht nur zahlreiche Unterschriften, sondern lobten unsere Eigeninitiative, wünschten uns viel Glück und fanden es gut, daß unser Stadtteils durch verantwortungsvollen Umgang mit der Natur durch Bürger wie uns wahrnehmbar wird. Sie hätten zwar viel mehr Bäume als wir, würden aber jeden einzelnen behalten wollen.

Übrigens: Überall in den Ortsämtern liegen unsere Unterschriftenlisten aus. Auch dort kann man sich eintragen.

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EKZ Steilshoop. Noch nicht gruselig genug. Der tote Ötzi skelettiert unter Bäumen.

Bäume befeuern Diskussion. Auch auf der Sitzung des Stadtteilbeirates wurde wieder über Bäume, aber mehr noch über die Rechtmäßigkeit dieses Bürgerbegehrens diskutiert, besonders von den Vertretern der derzeitigen Regierungsparteien. Die professionellen Moderatoren und Vertreter von Stadtteilbüro, Behörde, Wohnungsbaufirmen und Regierungsparteien zeigten sich ebenso überrascht, wie bestürzt über diese Bürgernotwehr. Trotz deutlicher und ausführlich vorgetragener Appelle von Seiten der Baumfreunde, die zahlreich erschienen waren und dafür plädierten eine einvernehmliche und gemeinsame Lösung zu erzielen, wurden statt dessen Vorwürfe laut, eigenmächtig initiativ gehandelt zu haben.

Allee als Angstraum. Auch manche Stadtteilbeiratsmitglieder zeigten sich enttäuscht darüber, daß die Bäume nicht gefällt wurden. Sie schilderten eindringlich, wie unglücklich und gefährdet sie sich speziell rund um das Einkaufszentrum fühlten. Die Bäume verdunkelten und verstellten den Straßenraum, der nicht mehr einsehbar sei. Sie schilderten ihre Angst an den Bäumen vorbeigehen zu müssen sehr eindringlich. Für sie seien die Bäume der Ort der Gefahr. Seltsamerweise wurde das dahinter liegende marode Einkaufszentrum mit keinem kritischen Wort erwähnt – das große Tabu. Nachdem es in den letzten Wochen durch die Decke regnete, und Eimer aufgestellt werden mussten, verlies neben einem Imbiss auch der letzte Supermarkt das sinkende Schiff. Zurück bleibt ein trauriger Rest Gewerbetreibende. Allein ein Discounter mit Außeneingang hält die Grundversorgung für den Stadtteil mit 18 000 Bewohnern aufrecht. Ein Drogeriemarkt verbleibt noch wenige Monate. Vor kurzem entstanden Brandschäden an den Außenanlagen. Aktive Bürger weisen seit Jahren auf die Verwahrlosung dieses sogenannten „Zentrums“ hin, auf das sich nun groteskerweise der „Sichtachsenentwurf“ bezieht. Einzig Wettbüros und Spielhallen, hinter der inkriminierten Allee gelegen, scheinen hervorragende Geschäfte zu machen.

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EKZ Steilshoop. Die Erfrischung kommt von der Decke, es regnet durch.

Kann es sein, daß man hier Ursache und Wirkung verwechselt hat? Die Verwahrlosung dieses Ortes kann nicht darin begründet sein, daß Bäume ihn umstehen. Allerdings ist bedauerlicherweise regelmäßige Baumpflege von Seiten der Behörden versäumt worden. Man scheint den Ort großräumig aufgegeben zu haben. „An einem privaten Investor ist nicht zu rütteln“, ist die mantrahaft vorgetragene Botschaft, die Behördenvertreter seit Jahren dem Stadtteil vorbeten. Ist es da ein Wunder, daß manche in ihrer Angst und Ohnmacht den zwingend notwendigen Sanierungsbedarf dann auf die Bäume übertragen? So kann es nicht verwundern, daß großflächige Baumfällungen (wenn auch nur optisch) den Eindruck von dadurch gewonnener „Ordnung, Sauberkeit und Licht“ als staatlicher Rettungsmaßnahme aufrecht erhalten sollen.

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EKZ Steilshoop, Westseite, stets einladend! aus der Serie: 32 berühmte Ansichten auf das Steilshooper EKZ. Frei nach Hiroshige

Solidarische Nachbarorte. Um Stimmen für den Erhalt der Bäume zu sammeln, dürfen und müssen wir im gesamten Bezirk Wandsbek um Solidarität werben. Als wir gestern auch Informationstafeln in der Wandsbeker Mitte, in Farmsen, Rahlstedt, Sasel, Poppenbüttel und Volksdorf aufstellten, blieben viele Menschen stehen und auch wir wurden interessiert angesprochen. Freundlich-verständnisvolle Gespräche hatten wir z.B. auch in Volksdorf, das sich über mangelndes Grün nun nicht beklagen kann. Besonders die allerliebste Fußgängerzone, windet sich in mäandernden Schlingen um riesige Bäume und führt u.a. unverhofft zu einem belagerten Eiscafé. Die Freude eines heißen Tages wird durch solche feine Unvorhersehbarkeiten der Straßenführung genußreich gestaltet. Was würden wohl die Volksdorfer dazu sagen, wenn eine wohlmeinende Behörde zum Zwecke der „Entrümpelung“ die großen Bäume fällen lassen wollte und zur besseren Überschaubarkeit Sichtachsen durch Volksdorfs Mitte hacken ? Und man dort statt entspanntes weil verkehrsberuhigtes Schlendern ein „schöner Parken“ einführen würde? Die Volksdorfer meinten, daß das Grün ihres Stadtteils für sie Lebensqualität bedeute und die Kleinteiligkeit und Ruhe „Entschleunigung“ von der Hektik des Alltags. Nachvollziehbar, oder?!

Liebe erblickt...

Aus der Serie: Konrad. Gedichte und Gegendiche

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Neurophysiologie: Aktivierung von rechter und linker Hirnhälfte zum Zwecke der Baumrettung

Schleppen, kleistern, aufstellen. Jede Hand wird gebraucht und deswegen rufen wir alle Baumfreunde auf mitzumachen! Wir sind eine fröhliche Truppe von jung und alt (naja, nicht ganz jung) und freuen uns über jede helfende Hand, wobei alle Talente gefragt sind. Stimmen sammeln ist das eine, aber Organisation ist das andere. Mitmachen heißt für uns mehr Lebensfreude durch die Übernahme von Verantwortung im Stadtteil, neue Leute kennen lernen und die eigene Selbstwirksamkeit erleben. Wir freuen uns auf Dich!

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Gute Organisation brauchts auch.

An die Arbeit! Unsere Bürgerinitiative zum Erhalt der Bäume für Steilshoops Mitte macht großen Spaß, weil wir erfreulichen Zuspruch finden. Aber es gilt auch eine Menge Arbeit zu bewältigen, wie zum Beispiel Plakate auf die Stellflächen kleben und an wichtigen Verkehrsknotenpunkten aufstellen.

Furioser Auftakt. Gestern startete mit einer Auftaktveranstaltung an der Fehlinghöhe unser Bürgerbegehren zum Erhalt der Bäume in Steilshoop. In großer Zahl und sichtlich erfreut über das Engagement der Aktivisten wurden die ersten Unterschriften geleistet. Menschen, die sich vorher fremd waren, kamen ins Gespräch miteinander und tauschten ihre Meinungen über das Erscheinungsbild des Stadtteils aus. Einig war man sich darin, daß die großen Bäume und das üppige Grün der Büsche „das Leben in Beton“ zu einer lebenswerten und freundlichen Situation verändert habe. Konsens herrschte auch darüber, daß angemessene Pflegemaßnahmen zum Erhalt durchgeführt werden sollen. Aber „jahrelang nichts tun, dann abhacken und es Pflege nennen, nee“, kommentierte ein Anwohner, „her mit dem Stift“.

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Aus der Serie: Konrad. Gedichte und Gegendiche

8 Jahre für Sichtachsen. Eine Polemik. An einem lauen Juniabend fand in Steilshoop eine denkwürdige „Informationsveranstaltung“ in der Kirche statt. Geladen waren die Anwohner des Stadtteils zur Information durch Behördenvertreter. Ich erwartete eine nachvollziehbare Erklärung, um zu verstehen, warum die Behörde glaubte, ganze Straßenzüge in Steilshoop abholzen zu müssen.

Dass die Steilshooper mehrheitlich einen verkehrsfreien, die Geselligkeit befördernden Platz wünschten, war schon seit Jahren aufwendig evaluiert, verkündet und versprochen. Doch hieß es jetzt plötzlich von behördlicher Seite, verkehrsfrei könne der Platz nicht sein, das Einkaufszentrum benötige eine Umfahrung und wünsche sich mehr Parkplätze und weniger Bäume. Und genau darüber wollten die Steilshooper, die in großer Zahl erschienen waren, mit ihrem Bezirksamtsleiter reden.

Und noch mehr Wünsche sollten geäußert werden: das Freiraumplanerbüro aus Berlin wünschte sich, dass die Mitte des Stadtteils besser in Erscheinung träte. Der dafür angereiste Freiraumplaner bekam das Mikrofon und was nun erzählt wurde, glich einer satirischen Inszenierung. Vor acht Jahren, hub der Sprecher an, vor acht Jahren bekam man den Auftrag Steilshoop zu modernisieren und zu verschönern. Man habe sich diese Aufgabe nicht leicht gemacht, und acht Jahre lang darüber nachgedacht und entwickelt. Man sei auch in den Stadtteil gegangen und habe es sich genau angesehen, das Problem. Man habe erkannt, dass die Mitte Steilshoops das vorrangige Problem sei. – Ja frohlocke ich, sag es endlich, dass das marode Einkaufszentrum das Problem ist und die fehlende U-Bahn. – Das Problem sei, fährt der Sprecher endlich fort, dass man die Mitte nicht finden könne. – Genau, denke ich, so geht es mir auch: ich kann weder das Fischgeschäft, den Blumenladen, den Buchladen, den modernen Elektronikbedarf finden, noch das Schuhgeschäft oder ein ansprechendes Bekleidungsangebot-. In diesen acht Jahren sei erkannt worden, filibustert unser Fachmann weiter, dass man das Einkaufszentrum nicht ausfindig machen könne, es wäre von Bäumen derart verdeckt und versteckt, dass man es weder von Weitem noch von Nahem sehen und finden könne. Und hier läge das Problem: es würde keine Sichtachse auf diese so wichtige Mitte zuführen und der Bereich um das Einkaufszentrum gehöre „aufgeräumt“, wie er mehrfach betonte, mehr noch „entrümpelt“. – Klar denke ich, nichts wie weg mit diesen vielen ekelhaften Müllcontainern, von Stahlzäunen ebenso sorgsam wie sichtbar eingehegt. Entrümpelt die verdreckten Betonbrüstungen, die die Tiefgaragen flankieren wie Wall und Graben die mittelalterliche Burg. Räumt auf die Pinkelecken an den verschmutzten Außentreppen, welche geschmückt von Kippen und Leergut Unbetretbarkeit signalisieren. Weg mit den Waschkieselbetontrögen mit blattlos verdorrten Pflanzen geschmückt von Hundekotkreationen, weg damit! – Und so fährt der Stadtplaner fort, sei in diesen acht Jahren erkannt worden, das die Bäume, das Problem seien, es seien zu viele, sie stünden zu eng, sie wären zu ungepflegt, kurzum sie verursachten Schatten und Unübersicht, ja auch gewisse Ängste in der Dunkelheit. Wenn sie nicht stünden, zögen Licht und Transparenz in den Stadtteil ein. Auch die so genannten Kunstwerke seien in die Jahre gekommen. Das Problem sei vorrangig ein ästhetisches und mit den Mitteln der Freiraumplanug zu behebendes, das habe man in diesen acht Jahren erkannt. Gradlinigkeit, Ordnung, Transparenz und Überschaubarkeit sollten nun einziehen, belehrte uns der Fachmann für unsere Zukunft im Stadtteil. Endlich endet die qualvolle Ermüdungsrede. Eine eigens dazu abkommandierte Moderatorin gab – wie erwartet – gleich nach dem kollektiven Erleichterungsseufzer bekannt, dass mit Blick auf die Uhr nunmehr nur (!) Verständnisfragen gestellt werden dürften und danach sei die schöne Veranstaltung leider schon zu Ende. Sie verkrallte sich ins Mikrofon, welches sie nicht aus der Hand gab und verteilte Rüffel an die Bürger, die statt untertänigst Fragen zu stellen, selbst Aussagen und Kommentare abgaben, denn, so gellte sie, man habe diese Zeit nicht. Und dann ist es geschafft: der filibusternde Stadtplaner hat Zeit geschunden, die Veranstaltung muss pünktlich beendet werden. Der Bezirksamtsleiter hat der Präsenz Genüge getan. Politische Gradlinigkeit findet so seinen Ausdruck in entbaumten Betonschluchten, der Wille zur Ordnung manifestiert sich in leblosen Wegeachsen, die einer verfallenden Ruine huldigen, die Freiraumplaner zu unserer wünschenswerten Mitte deklarieren.

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Aus der Serie: Konrad. Gedichte und Gegendiche

Baumpoesie statt Parkplatzzwang. Ein Baum gehört für mich nicht zur „Straßenmöbelierung“ wie Bänke, Papierkörbe oder Hinweisschilder. Bäume bedeuten für mich Lebensqualität, reine Luft, zwitschernde Vögel, Blätterrauschen und schillerndes Grün. Als Spiegel der Jahreszeiten sprießen im Frühling die ersten verheißungsvollen Blattknospen, im Sommer spendet der Baum kühlen Schatten, im Herbst wirft er seine Blätter ab und macht sich vor allem dadurch bei den Behörden unbeliebt. Der Blätterbeseitigungsaufwand ist eine städtische Aufgabe und städtische Kosten könnten eingespart werden, wenn es keine Bäume gäbe.

In allen Kulturen der Welt aber gilt der Baum als Zeichen für Leben, Freude, Fruchtbarkeit und Hoffnung. In unzähligen Sprichwörtern aus allen Ländern und Kontinenten wird in poetischer Weise der Kraft, Schönheit und Majestät der Bäume gehuldigt. Sie sind Gegenstand von Dichtung, Legenden, Mythologie und Religion. Sie stehen für Weisheit, Erkenntnis, Frieden, Spiritualität, Langlebigkeit, Beharrlichkeit und Unerschütterlichkeit. Weltweit haben Bäume Maler und Poeten inspiriert. Sparzwangsideologen allerdings bleiben diese Aspekte fremd. Sie wünschen sich keine fallenden Blätter, aber ungehindertes Verlegen von Versorgungsleitungen, graue Parkplätze und einen unverstellten Blick auf ein marodes Einkaufszentrum.

Wenn ein Baum gefällt wird, fehlt danach mehr als ein Baum.

Konrad

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Aus der Serie: Konrad. Gedichte und Gegendiche